23.01.2005

Der fliegende Holländer flog weiter


Ein halbes Jahr dauerte das Engagement von Aad de Mos bei Werder. Seine negativen Äußerungen über den Verein ("hier wird nie etwas Großes draus") und belegte Saufgelage zu nachtschlafender Zeit in 5-Sterne-Hotelbars haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Äußerungen bei uns allen - die Gelage bei Mario Basler and friends. Immerhin hat de Mos eines in Bremen hinterlassen, ohne dass wir wahrscheinlich nicht so viele gute Nachwuchsleute aus dem eigenen Verein in unserem A-Kader hätten - die Viererkette nämlich. Die bekanntlich auch ein wichtiger Baustein zum letztjährigen Erfolg gewesen ist.

Bei uns war der heute 57-jährige Coach ein gutes halbes Jahr. Am 9.1.1996 waren die Schatten, die Otto aus München immer noch warf, zu lang geworden. Und die Randerscheinungen, wie verunglückte Interviews, unsinnige Bemerkungen und noch ein paar Cocktails oben drauf, gaben ihm den Rest. Dabei waren in Bremen die führenden Köpfe eigentlich überzeugt gewesen, einen vorzüglichen Trainer verpflichtet zu haben. Immerhin hatte er einen No-Name-Club 1988 zum Europapokal der Pokalsieger geführt - der KV Mechelen aus Belgien gewann mit Aad de Mos als Trainer 1:0 gegen dessen früheren Verein Ajax Amsterdam. Danach erreichte er mit dem RSC Anderlecht ein weiteres Mal das Endspiel. Doch dann war die gute Serie für ihn vorbei.

Nacheinander wurde ihm vom PSV Eindhoven, von Werder Bremen, von Standard Lüttich und schließlich noch von Sporting Gijon der Trainerstuhl vor die Tür gestellt. Allerdings sollen dabei, so recherchierte eine belgische Tageszeitung, fast 2,5 Millionen Euro alleine an Abfindungen an de Mos geflossen sein. Fürwahr ein nettes Sümmchen. Eigentlich bräuchte man es kaum erwähnen: Bei allen vorzeitigen Entlassungen waren natürlich alle anderen schuld, nur der große Meister selbst nicht. Ob Funktionäre, ob die Spieler oder die Medien, alle waren dafür verantwortlich, dass es nicht nach Wunsch lief. Alle, bis auf einen - nämlich bis auf Aad de Mos !

Seit dem letzten Rauswurf in Europa hat er noch bei den Urawa Red Daimonds in der japanischen J-League angeheuert und es tatsächlich dort fünf Monate ausgehalten. Bis vermutlich eine großzügige Abfindung den Rauswurf erträglich machte. Zwei Jahre blieb er danach an einem Stück bei einem Verein, bei Al Hilal in Saudi-Arabien.

Seit dem 1.7.2004 hat er allerdings ein neues Betätigungsfeld. Nun also ist er Nationaltrainer der Vereinigten Arabischen Emirate. Immerhin, nach drei Spielen der Asien-Qualifikation stehen in Gruppe 5 sieben Punkte auf der Habenseite. Doch vermutlich wartet der fliegende Holländer nur darauf, auch dort entlassen zu werden. Die Scheichs werden vermutlich großzügig sein. Vielleicht sogar großzügiger, als alle anderen vorher zusammen. Dann reichts für ein paar nette Cocktails ...

Hornsby







-zurück-