31.10.2004

Rote Karte für den Pfosten


Wir schreiben das Jahr 1971. In diesem Jahr wird am 6.Juni in Offenbach ein Tonband dafür sorgen, dass die Party im Garten von Horst-Gregorio Canellas, dem Präsidenten der Offenbacher Kickers zu einer Monsterveranstaltung verkommt, bei der der damalige Bundestrainer Helmut Schön den Bundesliga-Skandal live in seiner Bekanntgabe in der Öffentlichkeit miterlebt.

Und ein paar Monate später, genauer am 20.Oktober 1971 findet wohl das beste Spiel statt, dass je eine deutsche Vereinsmannschaft auf internationalem Parkett bestritt - Borussia Mönchengladbach besiegt Inter Mailand mit 7:1 und dennoch wird dieses Match nicht mit einem Sieg gewertet, weil ein Herr Boninsegna angeblich in eine Bierdose läuft und wie eine gefällte Eiche liegen bleibt.

Aber soweit sind wir noch gar nicht. Wir halten uns sechs Monate vorher auf dem Bökelberg in Mönchengladbach auf. Unser heiß geliebter SV Werder kickt in folgender Besetzung gegen den kommenden Meister ums Überleben - wie so oft in den 70er Jahren: Günter Bernard, Rudi Assauer, Ole Björnmose, Egon Coordes, Eckhard Deterding, Heinz-Dieter Hasebrink, Karl-Heinz Kamp, Bernd Lorenz, Bernd Schmidt, "Pico" Schütz, Dieter Zembski. Horst Köppel, der heutige Coach der Gladbacher, hat die Borussia in der 7.Minute mit 1:0 in Führung gebracht, Hasebrink für unsere Farben in der 16. Minute vor ganzen 14000 Zuschauern ausgeglichen. Schiri ist der bekannte Gert Meuser aus Ingelheim. Nach der Halbzeit versucht Gladbach vehement, die Führung zu erzielen, Werder hält mit guter Defensive das Unentschieden. In der 35.Minute wurde der spätere Bremer Herbert Laumen für den ebenfalls später in Bremen kickenden Peter Dietrich eingewechselt. Und dieser Herbert Laumen rauschte bei einem seiner vergeblichen Versuche kurz vor Feierabend in der 88.Minute so heftig ins Tornetz, dass sich die Balken bogen - genauer gesagt: Der Pfosten gab den Geist auf. Und während die Bremer immer wieder versuchten, das Tor aufzustellen, um den einen Punkt doch noch mit nach Hause nehmen zu können, rissen die Borussen das Gebälk immer wieder um, weil sie sich in einem möglichen Wiederholungsspiel natürlich große Chancen auf den Sieg ausrechneten. Der Schiri hatte endlich ein Einsehen und bricht die Partie ab. Und auch das Sportgericht sieht ein, dass Werder die Punkte dringend braucht, um wieder mal die Klasse zu halten. Schließlich soll es am Ende noch eine schwarze Serie mit vier Niederlagen am Stück geben.

Ja, so war das damals am 3.4.1971 auf dem Gladbacher Bökelberg. Ein Ereignis, dass wohl nie in Vergessenheit geraten wird. Tja, jetzt fragen sich alle, was das wohl mit der Roten Karte zu tun hat. Eigentlich und auf den ersten Blick gar nix ! Aber auf den zweiten Blick. Denn zur WM 1970 wurden erstmals Gelbe und Rote Karten verwendet. Und nachdem am 10.10.1970 bereits Lothar Kobluhn von RWO in Frankfurt den roten Karton sah, gab es am 3.4.1971 die erste Rote Karte für eine Heimmannschaft in der Bundesliga ! Friedel Lutz von Eintracht Frankfurt bekam das Teil von Schiri Hilger beim 5:2 über Eintracht Braunschweig im eigenen Waldstadion unter die Nase gehalten. Aber solche Ereignisse verblassen natürlich, wenn ein Pfostenbruch Geschichte macht. Oder wer kennt heute noch Friedel Lutz ?

Eben !

Hornsby







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