08.09.2005

WM 94


Diesen Artikel fand ich in einer Zeitung im Vorfeld der WM 1994 in den USA. Damals beschwerte sich der DFB über zu hohe Ticket-Preise, die FIFA hielt dagegen. Lesenswert.

Weltmeisterschaft 1994: Der DFB ist wegen der hohen Eintrittspreise empört FIFA beruhigt die deutschen Fußball-Fans

Für große Aufregung in der DFB-Zentrale in Frankfurt sorgte die Bekanntgabe der Eintrittspreise für die WM 1994 in den USA. Zwischen 300 und 740 Mark kosten die Karten für das Finale, der Preisdurchschnitt aller Spiele beläuft sich auf rund 95 Mark. "Diese Preise sind völlig überzogen. Der Fußball soll Volkssport, die Eintrittspreise zivil bleiben. In Deutschland gab es noch kein Länderspiel, für das 100 Mark oder sogar mehr verlangt wurden", drückt DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach die Stimmung aus.

Aufregung in Frankfurt, Verwunderung in Zürich. Dort hat die FIFA ihren Sitz. "Diese Reaktion überrascht mich. Schließlich war bei der Entscheidungsfindung immer ein Vertreter des DFB dabei", sagt Guido Tognoni, Direktor des Weltfußballverbandes. Er relativiert durch verschiedene Punkte die Zahlen, die auf den ersten Blick sehr hoch erscheinen:

- Die Preise:
Die billigsten Karten für die Gruppenspiele sind für weniger als 40 Mark zu haben.
Tognoni: "In dieser Kategorie sind genügend Plätze vorhanden. Dadurch ist gewährleistet, dass der normale Fußball-Fan die WM live erleben kann."

- Das Preisgefüge
Sportveranstaltungen sind in den USA generell teurer als in Deutschland. Dies wirkt sich, wie im EM-Land Schweden, auch auf den Fußball aus. Durchschnittliche Football-Meisterschaftsspiele kosten in Amerika auf den billigsten Plätzen nicht unter 40 Mark, Spitzenränge sind nicht unter 150 Mark zu haben.
Tognoni: "Wir dürfen den Fußball nicht unter Wert verkaufen."

- Das Interesse: Pessimistische Prognosen, die Spiele fänden wegen der hohen Preise vor leeren Rängen statt, sind jetzt schon überholt.
Tognoni: "In den ersten 24 Stunden nach Bekanntgabe der Preise wurden bereits Tickets für über eine Million Mark bestellt."

- Der Schwarzmarkt: Es soll vermieden werden, dass Einzelpersonen große Kartenkontingente aufkaufen.
Tognoni: "Bei niedrigeren Preisen ist die Gefahr größer, dass illegaler Handel betrieben wird."

Mal kurz nachgeschaut und die Preise für 2006 in Deutschland gesucht und hier sind sie:
Vorrunde 35 - 100 EURO, Achtelfinale 45 - 120 EURO, Viertelfinale 55 - 180 EURO, Halbfinale 90 - 400 EURO und Finale 120 - 600 EURO.
Die billigste Karte für das Finale kostet also "nur" 120 EURO (= ca. 235 Mark). Da relativieren sich die Proteste des DFB 1994 sehr schnell. Ich sag jetzt nicht "alles Abzocker", aber wenn man selbst daran dicke verdienen kann, wird der Protest sehr schmal. Ich erinnere mich da an ein paar halbherzige Einwände, als die FIFA ihre ursprüngliche Planung für die Preise vorstellte. Wieviel das genutzt hat, wer weiß. Alle aber wissen, dass ausgerechnet die, die die Entscheidungen treffen, natürlich nix bezahlen müssen. Weil man ja VIP ist. Und das muß dann natürlich das arme kleine Fan-Schwein abdrücken, das keine Sonderkarte um den hals baumeln hat, geschweige denn ein Tanzbändchen am Arm trägt.

Ach ja, die jährliche Preissteigerungsrate in Deutschland von 1994 bis 2004 lag irgendwo zwischen 0,6 und 2,7 Prozent, Insgesamt sind die Preise von 1994 bis 2004 um 18,125 Prozent gestiegen. Die Preise für die Eintrittskarten für die WM von 1994 bis 2006 um steigern sich die Preise um Werte zwischen 80 und 100 Prozent. Also fast dem 5-fachen der allgemeinen Preissteigerung. Und wehe, jemand würde den DFB und die FIFA jetzt verlogen nennen. Nur schade, dass die gängige Vereinsargumentation in solchen Fällen für den DFB nicht zieht: Kein Nationalspieler wird zu einem anderen Fußballverband wechseln, weil wir die sonst ja nicht bezahlen können.....

Hornsby






-zurück-