6.8.2004

Was der Bremer Samstags so anstellt


Rudi A. in einem Artikel:

Schalke 04 startet am Freitag beim Deutschen Meister Bremen in die Bundesligasaison, dem Assauer in Ailton und Krstajic die besten Spieler weggekauft hat. «Bremen hat ein Problem: Die kriegen das Stadion nicht voll. Die haben kein Umland, und am Samstag sind viele auf ihrem Bötchen segeln», sagt Assauer....

Nich' ganz richtich, Rudirallala...

Normalerweise stehen wir Bremer Samstags morgens um 5.30 Uhr auf, treffen uns dann nach einem gediegenen Frühstück mit Grünkohl und Labskaus auf'm Marktplatz am Roland und ziehen gesammelt zur Heiligenverehrung zu den Bremer Stadtmusikanten zum Grimm'schen Freiluft- Gottesdienst. Was 'ne Wallfahrt.

Wenn dieser beendet ist, gibt's erstmal einen Frühschoppen mit Becks- Bier, Korn und Matjes- Brötchen. Bis unsere Frauen eintreffen, die zuhause die vier Kinners versorgt haben und nebenbei unsere Gummistiefel gewienert und mit Wal- Tran eingeölt, die Blaumann- Latzhosen gestopft und gebügelt und den ganzen Schmodder vonne Ostfriesennerze gewaschen haben.

Tja, und dann ziehen viele lattenstramm zum Arbeitsamt los, das in unserem hochverschuldeten Jammer- Stadt- Staat auch Samstags Sonderschichten macht, um nach Arbeit zu betteln. Einige widmen sich ihrer Fisch- Otter- Aufzucht. Ein nicht geringer Teil der Bremer geht seinem Tagewerk nach und begibt sich nach Hause zurück, um im heimischen Garten den Räucherofen anzuschmeißen und legger Aal un' legger Steinbutt für die Republik zuzubereiten.

Die Frauen sitzen derweil auffem Domshof und rollen Bismarck- Hering und Gurken zu Rollmops zusammen. Und die Kinder fertigen in überdimensionalen Backformen Fischstäbchen und Alaska- Seelachs- Filet für unseren Häuptling "Käpt'n Iglu". Fieser Zeitgenosse. Den haben wir gewählt, weil er ab und zu die Shanty- Metal- Combo "Torfrock" bei uns auftreten läßt. Das aber nur nebenbei.

Da wir selbst viel Fisch essen, aber im Pott auch welcher angelangen soll, bemühen die meisten von uns sich, für Nachschub zu sorgen. Also den Ausgeh- Anzug (Blaumann- Latzhose, Gummistiefel und Ostfriesennerz) gegen den Hochsee- Arbeitsanzug (Blaumann- Latzhose, Gummistiefel und Ostfriesennerz) tauschen und ab zum größten Nusschalen- Hafen westlich des Hindukusch. Tausende und abertausende kleine Hochsee- Fisch- Boote liegen dort vor'm Zwei- Kilo- Anker und warten drauf, um durch die sßteifen Brisen und mannshohen Wellen geritten werden.

Bis in den frühen Mittag hinein fahren wir unsere Fischgründe innerhalb der Weser ab, kontrollieren Reusen, schmeissen die Netze aus, um unseren geliebten Granat an Land,... sorry,... ins Boot zu schwurgeln. Nebenbei, immer 'ne gepflegte Pfeife im Mundwinkel paffend, erzählen wir uns die schaurigsten Geschichten über Moby Dick und andere niedliche Seeungeheuer. Heavy Seemonns- Gaorn un' storken Towback.

Und wenn wir dann kurz nach Mittag wieder am Kai anlanden, warten schon die Umland- Bremer, um unseren Tagesfang an Granat auf ihre Draisinen- Transporter zu verfrachten und zum Marktplatz zu bringen. Da das täglich 25 Tonnen sind, gehen die meisten von uns hinterher und wir sitzen mit unseren Frauen, Kindern und den Umland- Bremern zusammen und pulen mit unseren Salzwasser- gegerbten Händen den Granat bis spät in den Abend hinein, während wir diejenigen verfluchen tun, die sich vor den Samstag- Pflicht- Fisch- Nachmittagen ins Weserstadion flüchten, um sich dem Frohsinn und erfolgreichem Fußball zu widmen. Nebenbei sinnieren wir über Fünfmast- Barken, die obligatorische Größenordnung von Bullaugen und heizen uns an der Diskussion auf, warum die Jungens und Deerns aus Bremerhaven mit ihren Hightech- Kuttern und Granat- Pulmaschinen sowenig produzieren, während wir manchmal auch noch deren Fänge mitpulen müssen.

Nur zweimal im Jahr gehen wir gemeinen Krabben/Granatpuler auch ins Weserstadion und lassen unseren samstäglichen Arbeitstag, Arbeitstag sein. Nämlich dann, wenn die Radi- drehenden und Hax'n- pökelnden Bayern zu uns zu Besuch kommen. Und natürlich, wenn die Konkurrenz aus dem Fischerdorf von nebenan zum Auflauf bittet. Das läßt unser kleines Herz aus Fischstäbchen nicht zu, denen die Fischfanggebiete freiwillig zu überlassen.

Du siehst, Samstags auf'er Weser mit'm Boot ´rumsegeln is' nich...

Wir haben das nich' so gut, wie ihr da unten. Wir müssen auch Wochenende was für unseren Lebensunterhalt tun. Eine Frage quält uns hier aber schon lange: Wie haltet ihr Schalker das eigentlich unter der Woche in den Flözen aus? Tagaus, tagein nur unter der Erde zu wohnen, nie die Montag- bis- Freitag- Sonne sehen. Ihr sollt' ja nur am Wochenende mit euren Familien ausfahren, um eure Ferienwohnungen oberhalb zu besiedeln. Habbich mal gehört. Vorstellen könnt' ich mir das schon. Oder is' das auch nur so'n Schwachsinns- Gerücht, wie das deinige...?

Schönen Gruß noch...

Rudi




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