Hinrundenrückblick 31.12.03
Wieder geht ein Jahr dem Ende entgegen, wieder kann man als SVW- Fan von gewissen Pötten und Schalen träumen. Nun ja, und bei meinem Flug durch die einzelnen Stationen der hinrundlichen Erfüllungen mußte ich 17 mal Station machen:

1. Spieltag: Erwartungsfroh wie das Wiesel vor'm Wasserlassen sitzt man in seiner "Wenn- ich- Werder- nicht- live- im- Stadion- sehen- kann-" Kneipe, mümmelt an seinem Gerstensaft- Kristallglas und wartet auf'n Anpfiff zur BL- Saison. 2. August, Bremen, 15.30 Uhr, das Haar schwitzt, Drei- Wetter- Saft.

Und was bekommen dann meine Tränensack- unterlaufenen Augen zu sehen? Jawoll, so, wie an diesem Nachmittag wurden dem Berliner Bärchen die Sackhaare schon lange nicht mehr ausrasiert. 3:0 für Werder. Pitsch, Patsch, Klatsch.

Und der konnte echt froh sein, daß unsere Kreativabteilung nicht noch zur Sackquetsche gegriffen hat und zahlreiche Chancen verdrömelt hat.

2. Spieltag: Das Wetter war sonnig, das Bier war nass, Gladbach holt 'nen Punkt in Bremen, oh' was für 'nen Sp... äh... scheiss.

Tapfer erkämpfen sich die Junghengste aus dem rheinen Land ein Patpunkt in einem Spiel, wo nicht ganz klar war, ob die Tränen, die einem in den Augen standen vom Spiel oder dem Schwitze- Schweiss kam, der einem unentwegt in die Iriskugeln lief. Abhaken. Stirn abwischen und weiter.

3. Spieltag: Irgendwie wurde ich das Gefühl zu der Zeit nicht los, daß der Saisonstart unter Umständen,...äh... also... äh... quasi eventuell, ...äh...bei Einbeziehung diverser Tatsachen, ...äh...im Lichte eines Standpunktes...äh... was wollte ich gleich noch... äh... ach ja, doch nicht so schlecht ist, wie die feudale Spielweise des SVW auf'm Betze. Wobei sich feudal wohl eher wie ein gleichnamiges Fußbodenwischgerät schreiben sollte. Glück gehabt, 1:0 gewonnen.

Puh, sieben Punkte nach drei Spielen, aber der Motor rotzt noch.

4. Spieltag: Aber da gibt es ja immer noch die Lorenschubser mit Ihrem neuerstandenem Leuchtmittel- Spitznamen- Trainer an der Außenbahn. Ja, Schalke 04 kommt zu einem desolaten Kurzbesuch in eine Sonnen- geflutete Arena.

Vor'm Spiel trifft man sich mit befreundeten 04 'ern in einer Kneipe zur Gaumenprüfung der lokalen 4,9- Prozenter- Spezialitäten und nach dem Spiel trifft man auf zwei, recht säuerliche, 1:4 'er, die man auch, ob des toll heraus gespielten Ergebnisses seitens des SVW, fortan so nennen darf.

Zur allgemeinen Beruhigung der Ruhrgebiets- Gemüter ging man gemeinsam in den Ostkurvensaal, lutschte lauwarme, bremische Brauerei- Erzeugnisse höchster Qualität und resümierte wie folgt:

Werder war klar überlegen, hatte zu Recht zur Halbzeit den, eeeetwas sehr zurückhaltend agierenden, Knappen drei Flocken ins Netz gepackt. Der Rest war Formsache. Was folgte, war ein Zug über ein Bremer Stadtteilfest, wo ich leibhaftig erleben mußte, daß die Schalker ihren Staubdurst bis tief in die Nacht über nicht wieder los wurden. Boah, ährlich...

Ach, ja: Tabellenführer, eins die erste.

5. Spieltag: Es hätte auch unentschieden ausgehen können. Ja, man hätte gewinnen können. Aber auch verlieren können. Und genau das tat man am 13. September bei den Kreuzband- Geschröpften in Dortmund. Und dann auch noch durch ein Tor, welches in seiner Absurdität wohl nur durch die leibhaftige Domestik eines Valerien Ismael zu erklären ist.

"Chiesen die kains, moach' isch ees eeben selbär."
Is' schon reell, Ismael. Kann ja mal passieren, daß man beim Stand von 1:1 eine Kurz- vor- der- Linie- Kopfballbefreiung des eigenen Mannes sooo unglücklich zwischen die Augen bekommt und den Ball dann reflexartig ins Nylon drückt, damit der Gegner keine Chance mehr zum Glänzen hat.

Schade, schade. Aber nutzt ja nix.

6. Spieltag: Die Löwen kommen...also ich mein', die waren hier... im "Stadion der durchwachsenen Glücklichkeit". 2:1 gegen gute 60'er, die kräftige, leonische Gegenwehr boten.

Und in meinem Werder- Posiealbum steht jetzt gleich eine Szene, die in meinen Erinnerungen eigentlich eher für den jetzigen Kinderbuchschreiber Marco Bode steht: In mittlerer Mittelstürmerposition aus drei Metern den Ball sechs bis acht Meter neben den weiß lackierten Aluminiumpflock zu jagen, das hatte was. So'n Kot, Herr Schroth.

Eben nicht den Ausgleich erzielt, sondern mit einer Rehhagelschen Weisheit vom Platz gegangen: "Mal verliert man, mal gewinnen die anderen."

7. Spieltag: Die allseits beliebten Mikrofonberotzer bei der 'Koflerischen Pay-Sendeanstalt' verhalfen einer Schar von lauschig- gutgelaunten "Vahraonen" an einem Samstag zu einer "Premiere": Konferrenz- Schaltung.

Die Lümmelsofas,- und Sessel waren eingenommen, das Hans- Hartz- Gedächtnis- Pils geöffnet und... und... und... der Kanal blieb schwarz.
"Ooooh Mann, Blonder. Mach' ma' reset."
Der Blonde macht reset. Nüscht. Köln gegen Werder fiel an diesem Nachmittag einfach so mich nix, dich nix aus. Das Spiel war einfach nicht auf den Brüllwürfel zu bekommen und an dessen statt, gab man sich froh darüber, daß der 'Vahraonsche 1. Vorsitzende' Breidy noch nicht, wie gewohnt, seine Teilnahmefähigkeit bewies: "Blonder, wenn Breidy gleich kommt, muß Deine televisonäre Decodergurke davorne aber Werder zeigen! Der nimmt Dir sons' die Bude - " Und bums... man sprang auf, da sich auf dem Konferrenzkanal jubelnde Papageien- Trikots über den Rasen des Rhein- Energie- Stadions trollten. 1:0 für Werder.
"Ruf' ma' die Hotline von denen an und erzähl' denen ma', daß wir hier mit geschwollener Aorta sitzen. Und mach ma' richtich' Kerbe." Aber darauf waren wahrscheinlich schon Millionen anderer Werder- Fans gekommen, da ständig besetzt war.

Zack. 2:0. Man vernahm wieder heftiges Griffelklatschen. Nun ja, was soll ich noch schreiben. Der Blonde behielt seine Inneneinrichtung heile, da der "Präsi" nicht mehr kam, Werder zauberte sich in 'Vahraonscher Mattscheiben- Live- Abwesenheit" zu einem 4:1- Auswärtssieg und "Premiere" bekam den gedachten "Leck- Mich"- Fingerpreis in 6- facher Ausführung für herausragende Zuschauerverarsche.

8. Spieltag: Normal hätte ich nach dem Spiel gegen die Kicker aus Golfsburg (ja, das Ortseinfahrtschild habt' ihr selber kurzzeitig mal hingehängt) 'ne Ausstauschschulter aus legiertem Edelstahl haben müssen. Nach zwei Minuten hatte ich das erste Mal Faustkontakt mit der präsialen Hand. 1:0, Ailton. Und das mit dem Faustauflegen auf meinem rechten Schultereckgelenk ging dann das ganze Spiel so weiter.

Natürlich bekam ich nicht nur nach Werdertoren, und das waren immerhin fünf an der Zahl, einen nett gemeinten "Klaps", sondern, unter Zuhilfenahme des Ellbogens, der Knie und der Füße, auch bei den drei Gegentoren mal so'n Kleinen mit.

War aber nich' schlimm, Jim. Denn nach diesem Sonntagspiels, welches nach der zusammenzählenden Summierung meiner vorherigen Aufzählungen mit 5:3 ausging, war Werder wieder Tabellenführer. Zum zweiten Mal nach dem 4. Spieltag. Und wir konnten diesen Anblick 13 Tage lang geniessen. Wie beim ersten Mal auch. Denn es gab eine Länderspielpause.

9. Spieltag: In Ermangelung einer Eintrittskarte verbrachte ich Samstag, den 18. Oktober inmitten einer festgruppierten Horde von Werder- Fans in einer lizensierten, Stadion- nahen, im "Päi- Tie-Wie"- Jargon sogenannten "Premiere- Sportsbar", eigentlich im alltäglichen Sprachgebrauch "KNEIPE" genannt.

Und nach dem Ende des Spiels Werder Bremen gegen die Ländlekicker vom VFB Stuttgart begehrte meine Kehle nach gaaaannnzzz viel Schwindlichmacher. Egal, welcher Sorte und welchen Geschmacks. 3:1 hatten die Benzer gewonnen. Gar nich' ma' so unverdient. Nur wurmte es meine Hirnverwindungen unheimlich, wie Werder sich das Nutella von der Butterschnitte kratzen ließ.

Selber gut gespielt, dann Rückstand, dann ein "ich- schubs- Dir- erst- den- Ball- an- der- Eckfahne- durch- die- Beine- Stalteri-, Gruß- Hinkel-" Gegentor zum erweiterten Rückstand kassiert. Dann Anschluß gefunden, aber das war es dann auch schon der Herrlichkeit. Zum Abschluß noch den gekonterten Genickschuß. Spiel vergeigt, Tabellenführung futsch.

10. Spieltag: Nach dem Schwabenstüber ging's zum Baden nach Baden. An sowas dachte ich nach der Niederlage gegen den VFB. "Jetzt gibt's 'nen Einbruch." Aber nix da. Wie von Ede Zimmermann gehetzt, fegte der SVW durch's Dreisamige- Stadion von Freiburg. Pitsch- Patsch- Klatsch. Drei- Null zur halben Zeit der ganzen Spieldauer.

In der oben erwähnten Kneipe gingen zum obligatorischen Halbzeitbier Sätze durch die feuchtfröhliche Halle der Glücksseeligkeit, die so ähnlich klangen wie: "Ich sach' nix, aber achte ma' drauf. 6:0 hau'n wir die wech'." Und nach Vorführung der ersten Hälfte hätte man da auch von ausgehen müssen. Drei Tore geschossen, vier 136 000 prozentige Chancen ausgelassen, keinen vernünftigen Torschuß der Breisgauer gesehen. "Jau, das geht." Aber es ging nich'.

Der SC wechselte einen seiner Willi's (Tobias) ein und Werder ködelte sich mit Fortschreiten der Uhr einen am Bein runter. Anschlußtor. 3:1 nur noch. Und hätte Andi Reinke in den nächsten 15 Minuten nicht zweimal seinen gestählten Edelkörper samt belerderten Grabschern zwischen Ball und Torlinie gehalten, hätten das auch arg in die feuchte Unnerbüx gehen können. Es kam, wie es kam. Erst lassen wir noch mal zwei Hundertprozentige aus, um dann zu zeigen, wer hier den Stiel vom gelutschten Eis mit nach Hause nimmt. 4:1. Endresultat dann 4:2 für Werder. Die Venen schwellen mir heute noch an, wenn ich darüber nachdenke, daß man die 'Finkschen Brasilianer' locker doppelt so hoch hätte schlagen müssen.

11. Spieltag: Eben lob' ich den Reinke noch, jetzt sag' ich: Böser, böser Bub'. Da führt man im eigenen Stadion ungefährdet gegen den fremdsubventioniertesten Verein westlich von Santa Fe mit 2:0. Und jetz' kommst Du, Dicker. Eine harmlose Flanke, die wahrscheinlich meine 104- jährige Torhüter- Uroma dazu veranlaßt hätte, ihr Rosen-besticktes Taschentuch aus ihrem Küchen-Kittel zweck's Lachtränen- Trocknung zu holen, läßt du zu unser aller Entsetzen zwischen deinen güldenen Grabbeltatschern hindurch rutschen. Und das Teil fliegt mit Deinem Anschwung und ohne Bedrängnis eines Gegenspielers in die eigene Lederkartonage. Aua, aua.

Lag vielleicht Schnee auf dem Ball? Oder hat eine kräftige Nordseebrise auf den letzten 60 Zentimetern die uneliptische Flugkurve des Lederknochens verändert?

Nein. Also hieß es nach deinem 'Ismaelschen Anfall' zittern, daß die Hessen net noh den Ausgleisch mache. Ätsch man, bätsch man, ham' se aber net. Stattdessen gab's das 3:1 und ich hab' deinen Zwischenglitscher auch sofort wieder vergessen. Bis eben.

12. Spieltag: Ab in'n Zuch und nach Hannover. Als Begleitung von Breidy und meiner angeheirateten Schwips- Kousine fraulicher Seits ging's zum fußballerischen Kräftemessen im speziellen und zum Ablachen und feixen nach dem Spiel im Besonderen.

Man saß im Großraumabteil und füllte bis zum Ankommen in der niedergesachsten Hauptstadt ordentlich einen ordentlichen Biervorrat in seine vorstehende Auffangwanne.

"Hasseröder inne Tasche, mußt die Finger Du von lasse."

Ein Satz, ein Gesetz. Aber in Hannover angekommen fanden wir inner Innencity eine komfortable Schänke, in der Mann sich mit anderem Bier berauschen konnte.

Aus zwei- Liter- Fläschkens floß dann das selbstgesudetete Naturbräu. Irgendwann dann war wackelige Aufbruchzeit zum Stadion. Wie niedlich. Ich sach' tatsächlich Stadion. Ich meinte zur Umbau- Freiluft- Durchzug- Volksbühne, die sich später mal AWD- Arena nennen soll. Na dann ma' windig zu.

Tja, und was soll ich schreiben? Außer uns Dreien waren natürlich wieder Unmassen von Werder- Fans nach die Haubstatt gefahr'n. Und zwar soviele, daß wir nicht mehr in den unüberdachten Gästeblock rein kamen. Auch aufgrund der Tatsache, daß die dortigen Sicherheitskräfte vollends mit der Lage überfordert waren. Oder mit der Bedienungsanleitung für die neue Tribüne. Unorganisation, wo man hinschaute. Und zu allem Überfluss kamen Unfletigkeiten der Ordnungshaubitzen dazu. Also, leck Arsch. Abmarsch auf den Gipfel der Tribüne (..wobei...?... is' das Dingens überhaupt so zu nennen...?).

Letzte Reihe hinter der letzten Reihe. Quasi im Nichts. Dreht man sich da oben von der Guckrichtung Spielfeld weg, schaut man von diesem Hügel ins hannoverranesche Nichts. Und so hab' ich dann auch das Spiel verfolgt. Im Wechsel. Mal die Schultern der Vordermänners angeschaut. Oder das Nichts. Zur Halbzeit wieder mal 3:0 und das Einizige was ich davon mitbekommen habe, war das Gejubel der Werder- Horden vor mir.

Da schlachtet mein SVW die .er mit 5:1 ab und ich hab' auf meinem feudalen 21 Euro- Rundum- Stehplatz nichts davon gesehen. Schon gut, Knut. Ich komm' wieder, keine Frage.

13. Spieltag: Der große, hochgelobte Peter kam mit seinen großhochgelobten Bochumern zum runterhol- mäßigen Stutzen ins Weserstadion. Und der Zucker peitschte dementsprechend früh durch's weite Rund. Nach einem Zuckerpass nahm sich Goncalves da Silva, in Fachkreisen auch AILTON genannt, der handgenähten Pille an und vollendete aus gefühlten 23 Metern mit einem linken Aussenrist- Zuckerschuß in den rechten, oberen Torwinkel. Ein Zauber- Zuckertörschen der extra- feinen Klasse. Ihm brachte das Ailton- Sprechchöre und mir 'nen weiteren blauen Fleck auf der Schulter. Quasi volle Breidy- Seite.

Und dann macht der Abseiten- Kaiser der Liga noch das 2:0 und das 3:0. Die Luft war raus, Ailton dann auch (unter Ständingen- Ovationen und Fangesängen) und als man sich auf ein zu- Null- Spiel eingestellt hatte, da klödert es ma' wieder im Auffangnetz des eigenen, unrostbaren Torkastens. 3:1 durch einen Neuzugang für die nächste Saison. Und weil man ihn davon überzeugen wollte, daß man ihn vor seiner Wechselentscheidung schon ganz, ganz doll lieb hat, schmiert man dem noch- gegnerischen Spieler Frank Fahrenhorst gezuckerte Sprechchöre vor die Lauschlappen. "Geiler Magger", brüllt Breidy noch bevor's noch 'nen kleinen Stupser gibt.

14. Spieltag: Das Spiel beim überrenn' ich, da vielleicht irgendwann im nächsten Jahr (also 2004) mal der Reisebericht von mir und Hunbuster fertig wird. Sind ja erst zwei Monate her...

15. Spieltag: Oh, wie recht hatte Uli H. (vollständiger Nachname dem Schreiber bekannt) aus München vor dem Spiel. Ja Uli, Werder war zu dem Zeitpunkt die beste Fußballmannschaft Deutschlands. Tabellarisch gesehen vielleicht nicht. Aber von der Sichtweise des attraktivsten Fußballs her schon. Von den am meisten erzielten Toren her auch. Von der bisherigen Spielstärke eventuell auch.

Nach den 90 Minuten des Ball hin- und- herschubsens in den fiktiven 20 Meter-Spielräumen um den Anstosskreis bin auch auch immer noch der Meinung gewesen. Nur der Wurstfabrikant, der als Jugendlicher beinahe mal beim glorreichen SVW gelandet wäre (im Dreifachpack mit Paule Breitner und Rednose Lattek), behauptet nach dem Spiel steif und fest, der sei nach diesem Spiel wieder die "beste deutsche Mannschaft". Määähhhppp. Einspruch, alder Franke.

Der SVW hat an diesem Nikolausi- Tag eine eher durchschnittliche Leistung auf's grüne Rasenparkett getänzelt. Desweiteren erlahmte das Spiel recht oft an einem Schiedsrichtergespann (schon gut, Knud (Kircher)), das von Uli H. posthum eine Verdienstmedaillie im (eigenmächtig,selbstauferlegten) Auftrag der Optikerinnung verliehen bekam ("Gut gesehen. Das war kein Abseits".) . Äääätsch, war's doch.

Manchmal höre ich das Plattitüden- Geschwätz aus dem 180 Quadratmeter- Einzelbüro an der Säbener Straße ja ganz gern, weil ich daran bemessen und fühlen kann, in wieweit bei den bajuwarischen Millionaros Anspruch und Realität auseinander liegen.

Aber... tsiss... tsiss...tsiss... Uli H., nach diesem Spiel in der Yellow- Press solch' dummheits- geschwängerten Driss zu verzähle... Lass sein, Hein. Weil für uns kam ja der...

...16. Spieltag: Und was kann man an einem vorweihnachtlichen Samstag schon Schöneres zu Nachmittags- Prime- Time machen, als... Einkaufen gehen. So fährt und geht man(n) mit einem mulmigen Gefühl durch die Gegend, als könnte man was Saison- epochales verpassen.

Und war ja dann auch so. Nach dem ich mich dazu entschlossen hatte, nicht in den "Sportsbar- Kneipen- Schuppen" zu pilgern, um den SVW durch meine Anwesenheit vor der Trödelkiste zu huldigen, bin ich dann halt mit Frau viel, viel, viel lieber zum Extrem- Leute- Schubsing ins Einkaufscenter- Paradies geeschlichen. Zum Schuhe kaufen. Vorteil is' bei so 'ner 30 Minuten- Zottelfahrt (normal 12 Minuten), man kann Fußball hören. 15.30 Uhr ging's los. 16.00 Uhr Auto auf'm Parkplatz abgeschlossen. Spielstand Leverkusen gegen Werder: null zu null. Toll.

Rein ins Gelumpe und gleich den ersten Laden ansteuern. 'Nen Sportladen mit annehmbarer Frauen- verweil- Wand, sprich Turnschuhe en masse. Und, man glaubt es kaum, anstatt "Süßer die Glocken nie bimmeln"- Mucke, lief... jawoll... FUßBALL... in der hauseigenen Lautsprecheranlage. "Und wie findest Du die...?"

"Hhhmmhhmm... jaja... super." "Meinst Du die passen von der Farbe her...?" "Hhhmmhhmm... jaja... ganz toll." War gar nich' so leicht, bei dem Lärmpegel in dem Laden sich vollends auf Manni Breuckmann und seine Reportage zu konzentrieren. Frau bestellte dann in der laufenden 42. Minute bei der Verkäuferin endlich die Endzeittreter und bums..."TOR IN LEVERKUSEN!" Manni schrie lauthals durch den Kaufhaus- Äther. "1:0 für den SV Werder Bremen. Und geschossen hat das Tor... (...rück' schon raus damit...)... Ailton."

Die Verkäuferin nahm gerade den Deckel von der, überaus schicken Kartonage, um sie Frau unter die Brillen- berandeten Glotzkorken zu halten, da... zack ... "TOR IN LEVERKUSEN. 2:0 für den SV Werder Bremen (...ja, schlach' mich dood...). Nach einem Freistoss durch Johan Micoud erzielt Mladen Kristajic per Kopfball das Tor." Freude brandete in mir auf. Und ehe ich mich versah, war Halbzeit und ich stand vor der Kasse. "109,95 Euro...???... wie jetzt...??? ... für die roten Feuermelderlatschen...???... Für das Geld hätten wir Beide mit'm Sonderzug in die Bay-Arena fahren können. Plus 'ner ordentlichen Stange Bier", hörte ich mich noch sagen.

Aber war dann auch egal. Frau hatte Schuhe, ich die ersten beiden, beruhigenden Tore gehört, zwischendurch vom Blonden via Handy erfahren, daß es nur noch 2:1 steht und um 17.45 Uhr bekam ich aus'm Autoradio die Nachricht, daß Werder noch das 3:1 geschossen hatte, nicht sonderlich schön sondern effektiv gespielt hatte und .... wieder TABELLENFÜHRER war.

17. Spieltag: Von Breidy bekamen wir zwei Eintrittskarten (Breidys und Hilles, nochmals tierischen Dank!!) für das finale Vorweihnachtsfinale gegen Hansa Rostock. Heimspiel am 16. Dezember. Mit einer sehr guten, um nicht zu sagen, sehr, sehr guten Ausgangslage, um an die Herbstmeisterschaft zu gelangen.

Dementsprechend sah es auch am Eingangstor aus. All full. Aber man(n) und Frau schafften es gerade noch rechtzeitg zum Anpfiff. Tja, und was soll ich schreiben...? Wer in der dritten Minute nach dem Anpfiff noch vor dem Tor stand, verpasste das 1:0 durch Ailton. Und danach war... Ebbe. Ohne Sand. Eher gestrandet. Die Rostocker standen clever, spielten clever, nur nicht ganz so clever, um Werder ein Teil reinzuwürgen.

Das vormals flüssige SVW- Rauten- Viereck- Mittelfeld plätscherte immer wieder im Rostocker Mittelfeld an den Deich und so überdauerten die Warnemünder Offensivbemühungen bis zur 78. Minute. Dem Zeitabschnitt, wo wir endlich wußten...

HERBSTMEISTER, HERBSTMEISTER...HEY, HEY, HEY.

Oder wie man im Stadion erzählt bekam, WEIHNACHTSMEISTER. Toll, toll, toll. 2:0 dursch...Ismael. Als Sahnehäubchen auf den Werder- Weihnachtsstollen gab's noch das 3:0 durch Lisztes. Der Rest war eigentlich nur noch winterliche Freude und die Gewissheit, Freiburg mußte sich 6:0 abschlachten lassen. Vom Vizeherbstmeister aus Bavaria. Das tat der Feierei aber keinen Abbruch. Denn wer weiß schon, ob wir in der Rückrunde auch weiterhin feiern können.

Ich wünsch' Euch allen da draußen einen guten Rutsch in ein gesundes 2004.

Rudi




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