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22.09.03 Da liegt man nun hier so vor sich hin heute morgen, dem Morgen nach dem mühevollen 2:1 Arbeitssieg des SVW gegen Kimba 60. Da liegt man hier also nu' so rum, hat sein bestes Stück in der Hand und überlegt, ob es schon an der Zeit wäre, das Teil zu benutzen. Okay, okay, es ist noch ziemlich früh für so was, aber kann auch erquickend und befreiend sein, die Hand an das Prachtteil anzulegen und dann... den Fernseher einzuschalten. Mit meiner 62- knöpfigen Fernbedienung, Sonntagmorgen mein bestes Stück. Also los geht's. Bei ARD und ZDF reihert man in der ersten Sitzen. Weiter. Ähem, Bob, der Baumeister. Für'n Anfang nicht schlecht. Aber is' `ne Wiederholung. Zeigt mir endlich was für meine blutdurchlaufenen Sehschwengel, was mein Hirn nicht so beanspruchen tut. Gleich muss doch endlich das... jawoll, da isses, das DSF. Endlich. Uhrenabgleich. Ääääh, 9.16 Uhr. Is' schon Fußball- Zeit? Nein, noch nicht ganz. Laut Programm- Almanach für heute morgen läuft da jetzt "Fujuma". Na denn. Überbrück' ich eben die Zeit bis zur "Alle- Spiele- alle- Tore- Nachmach- Sendung" mit einer dieser asiatischen Mehrkampfshows: Wer erreicht beim Bauchklatscher im Schwimmbad den höheren Dezibelwert, kann sich öfters im Kreis drehen, ohne das halbe Fernsehstudio voll zu kotzen, oder entkommt als männliches 42- Kilo- Leichtgewicht in einem recht engen Geisha- Kostüm, auf Stelzen, unter Zuladung einer gefüllten 12- Kilo- Mai- Thai- Flugente in einem Pappmache- Labyrinth dem 328- Kilo- Sumo- Klops mit eigenem Motivations- Tenno? Uiuiuiuiuiui? Aber Moment... den kenn' ich doch... das ist... das ist... Tim Borowski?! Und der Moderator der Sendung is' mir auch bekannt. Öööh, sach schon... ja. Anthony Baffoe! Die schwarze Perle aus der Hosen- Stadt Düsseldorf. "Willkommen bei Fujama, dem FU- ßball- JU- gend- MA- gazin. (Jetzt hat's gedengelt im noch Haake- Beck- getrübten Rudihirn!) "Neben mir heute Tim Borowski!" (Erzähl' keinen, Tony! Hätt' ich jetzt so gar nich' erkannt. Weil is' ja nich' einfach, euch Beiden auf den ersten Blick auseinander zu halten.) "Und als Einstimmung auf die Restsendung zeigen wir euch erst mal einen neuen Werbe-Spot mit Tim!" (mach' ma', aber hör' auf, wie Rapmaster BEE mit deinen Händen die Luft aufzuwirbeln, und sach' ma' dem Kameramann bescheid, der soll nich' so wackeln, sonst bekommt mein Plüsch- bezogenes Leichtmatratzen- Kiefernbett ne' kräftige Restalkohol- Brocken- Dusche. ) Und bei dem Spot, der dann kam, handelte es sich dann um den neuen Sponsorenspot von "YOUNG SPIRIT" (für nicht- Engländers: gesprochen: JANG SPIERITT). Von Werders Werbepartner RENO. Hätte ich nicht die urinalen Resttropfen von gestern Abend noch in meinem doppelt gesäumten Eingriff- Schlüpfer gehabt, wären die spätestens nach Ende dieses medialen Offenbarungseides drin gewesen. Werder- Werbespot, Eins, die Erste. Und..... Ääggtschen! Da stehen also Manuel Friedrich, Frank Baumann und eben Tim Borowski in voller Spieltags- Kampfmontur in der Herren- Abteilung eines Schuhverkaufshauses, zwei mittelprächtige Langhaarträgerinnen schreiten kichernd an den Dreien vorbei und "Manu", "Baumi" und "Boro" fallen, hinterher pfeifender Weise, fast die Glotzkorken aus den Höhlen. Man zieht in feixender und kniender Position hinter einem Schuhregal mit modischen Herrenslippern Streichhölzer, wer denn die Schnitten auf's Trockene bringt, und... Borowski verliert. Er muss ran. Die beiden Cajalschwinger fahren auch sofort auf Timmis Augenaufschlag ab und betatschten den "Team 2006- Nationalspieler" auf seiner Trikot-Entblößten "Ohne- Haare- Brust". Man verschwindet gaaaaaannnnnzzzzz dezent zu dritt in einer Ecke des Schuhhauses. Friedrich und Baumann, vom zugucken auch schon ganz schön scharf geworden, hinterher. Cut. Thomas Schaaf kommt herein. Nen' Fußball auftrumpfend vor sich her schubsend und auf einmal kommen ihm die beiden Handtaschenträgerinnen in kompletter Trikotage entgegen. Die dritte "Hose-Trikot- Stutzen- Trophäe", über'm Kopf wedelnd, gehen sie an Tommi vorbei, den Laden verlassend. Der schaut irritiert hinterher und dann wieder nach vorne. Wieder Cut. Und da stehen sie dann vor ihm. Drei verlegene Werder- Strahlebuben in ihren senkrecht- gestreiften Boxershorts in original grün- weißen Vereinsfarben. Ende. In mir stiegen, ob dieses "Highlights" der zeitgenössischen Werbefilme, tausend Fragen auf: Gehen die Jungs immer in Spielkluft Schuhe kaufen? War das vor einem Spiel? Und wenn nicht, warum waren die Trikots so sauber? Was machen zwei Frauen inner Herrenschuhabteilung? Sind vergebene oder verheiratete Werder- Spieler notgeil? Und wenn ja, warum werden dann altmodisch Streichhölzer gezogen.? Wofür gibt es in einem RENO- Schuhmarkt Umkleidekabinen? Ist Thomas Schaaf ein Spielkalb? Hat er den Ball einem kleinen Jungen vor dem Markt geklaut? Oder rennt er etwa immer so durch die Einkaufsmärkte in unserem Stadtstaat? Wo waren die Verkäufer, um dem Ganzen Einhalt zu gebieten? Tragen alle Werder- Spieler Einheits- Boxershorts? Warum waren die so sauber? Warum sehen meine immer wie ‚ne Tiger- Unterhose aus (vorne gelb, hinten braun)? Welche Zielgruppe will RENO damit erreichen? Etwa die notgeilen Trikotträger? Oder die Ballschubser? Oder die Gruppierung der "Listigen Trikotagen- Mopserinnen"? Wer hat sich den Schwachsinns- Spot einfallen lassen? Wann fängt endlich die "Bundesliga- Pur- Sendung" an? Wann bin ich in den Pudeldreck gestiegen, der an meinen Schuhen klebt und hier am Ende des Bettes so vor sich hinstinkt? Auf all die Fragen werde ich wahrscheinlich nie eine Antwort kriegen. Nur eines weiß ich ganz genau. Den Spot sollte man schnellstens wieder aus den Fernseh-Funkhäusern dieser Republik zurückholen, bevor er in falsche Hände gerät und den Verein erpressbar macht. Und hoffentlich sind viele DSF- Sonntag- morgen- Gucker an ihrem Schenkel- Klopfer- Lachen über diesen ärmlichen Marketing-Versuch erstickt. Schönen Gruß noch! Rudi |