Ladies and Gentlemen:
I´m proud to present you another ultimative story
René "KK", the one and only,
verfasste diesen Reisebericht über seine Tour zum Champions League Spiel FC Chelsea versus Werder Bremen. Ein weiteres Highlight auf unserer Vahraonen Webseite!


Alles Neckermänner…!

 

Prolog

 

Ja, ich geb’s zu: Neid trifft Euch, die Ihr alle in der Lage seid, Euch alle möglichen Europacupspiele oder überhaupt noch regelmäßig Auswärtsspiele zu geben. Und jedes Mal frage ich mich, wie Ihr das anstellt, so’n Haufen Urlaub – und den vor allen Dingen auch noch kurzfristig, weil man ja heutzutage nie mehr im Voraus sagen kann, wann welches Spiel denn nun stattfindet – und so’n Haufen Kohle, der dabei drauf geht und dann auch noch ne Regierung zu Hause zu haben, die bei all dem auch noch mitspielt, und dann schafft Ihr das ja auch trotzdem noch, jedes Jahr den Super-Urlaub zu schießen, so sechs Wochen lang in der Hochsaison die schönen Gs dieser Welt auskosten – Griechenland, Grönland, Görlitz, Guantanamo, Großenkneten, Gosta Brava, was weiß ich… Hm, irgendwas muss ich falsch machen.

 

Bei mir reicht’s also in der Regel nur für ein Spiel in der Champions League. Und dies auch nur unter dickfälliger Missachtung aller harschen Proteste unserer familiären Finanzsenatorin und unter der Maßgabe „Insel mach ich trotzdem, wer weiß, wann wir da ma wieder hinkommen?“.

 

Also schon mal die Schichtplanung darauf vorbereitet, dass der vorliegende Schichtplan im Falle einer günstigen Auslosung womöglich geändert werden müsse, was von dort mit einem „Dann hast du ein Problem“ ersma pauschal ausgeschlossen wird. Notfalls muss Désirée eben fahren!

 

Und was lockt nicht alles von der Insel: Liverpool (wenigstens einmal noch Anfield sehen!), ManU (Old Trafford hat ja auch Art), Chelsea (Kalinkakalinka? Außerdem war ich da schon…), Arsenal (ohne Highbury, das wir ja alle schon kennen, aber trotzdem ganz nett), naja und der Hammer wäre natürlich Celtic (durch keine Fahrt zu toppen!!!).

 

Zur Auslosung kurz und spontan zusammen mitm Nachbarn einen anderen Nachbarn überfallen, dessen Begeisterung über unser Auftauchen scheint sich eher im südpolaren Bereich zu bewegen. Egal, das ist der Preis des Erfolges, wenn man als einer der Auserwählten Premiere hat. „Ah, läuft schon! Gut!“ Booooah, und wat ne scheiß Veranstaltung: Erwartungsgemäß ööööööde und zum Kotzen elitär! Lauter topgestylte Anti-Football-Maniacs labern eine Scheiße in geschätzen 49 Sprachen – fehlt nur noch „L’Allemagne: dix points – Germany: ten points!“ Bah! Wat waren die Zeiten nich schön, als Walter Baresel noch mit leicht zittrigen Fingern die Papierschildchen „DSC Wanne-Eickel“ und „Werder Bremen“ in die Kamera hielt! Gut, das war DFB-Pokal und nicht die Tschämpjens Lieg, und Walter Baresel lebt ja nun auch leider schon lange nicht mehr. Dessen Job an Lostopf 3 macht ausgerechnet Barcelonas Deco.

 

Laaangweilich!

 

„Pass auf! Der sucht sich uns aus!“  -

„Wieso darf der so was überhaupt?“ –

„Wenn jetzt Lostopf 4 nich von unsam Schulle geleert wird, wird die UEFA kleinlich!“ - 

Deco greift zum ersten Mal in die Schüssel: „Werder Bremen“ –

„Oh-oh!“ –

„Los! Alles was Werder heißt jetzt in Gruppe F – zu ManU und Celtic!“ –

„Bloß nicht in Gruppe A zu Barça und Chelsea!“ –

Weitere Loskugeln klötern im Wok: „Und Werder kommt in Gruppeee… A.“ –

„Ich hab’s gewusst!“ –

„Son Arsch!“ –

„Baaarßa – schon wieder! Und Tschäääälßie!“ –

„Laaaangweilich!“ –

„Blöder hätts nich komm könn!“ –

„Wieso darf der so was überhaupt?!“ –

„Scheiße! Schon wieder nich Anfield oder Parkhead! Camp Nou? Nö. Stamford Bridge? Käichschon! Na gut, müssn wa wohl hin! Nützt nix, müssen wa eem die Luschenvereine da raushaun!“ –

„Jezz aber wenigstens noch Kopenhagen…! Bloß nich Moskau oder so!“ –

„Jouh, das fehlt noch!“ -

Sofia… Klar. „Gewinne! Gewinne! Gewinne!“ –

„Scheiß die Wand an!“

 

Okay, etwas euphorischer war’s dann doch: „Chelsea! Is gebongt! That’s a must!“

 

(Zur Untermalung dieses Textes empfehle ich einen eigens dafür zusammen gestellten Soundtrack, wobei Ihr Euch die Mucke schon selber besorgen müsst. Ihr wisst ja, die Rechtefrage… Als Erstes empfiehlt der Küchenchef: The Clash mit „London Calling“)

 

Nun beginnt die schon eingespielte generalstabsmäßige Planung zu laufen: Johann nach Fliegern anhauen, der hat Breidy schon wegen der Karten kontaktiert und Franky klemmt sich ans Hotel. Mir hat Johann die Verbindung vom Flughafen Stansted nach London aufgedrückt. „Such das ma raus! Und dann treechs das in feinsten Oxford Englisch vor!“:

 

„Hallo Europacupfahrer,

 

die Flüge habe ich nun gebucht.

 

London:

 

Hannover – London Stansted AB 8422 am 11.09.06 um 19:30

London Stansted – Hannover AB 8197 am 14.09.06 um 08:15

 

Gesamtpreis 154,00 € p.P.

 

Dabei sind:

Maren, Johann, Breidy, Dirk, Franky, KK, Laser, Inga

 

Hausaufgabe für KK ;-)

 

Der Flughafen Stansted liegt etwas außerhalb von London. An Bord des Fliegers können wir die Tickets für den Stansted Express kaufen. Da wir morgens um 08:15 (Nullachtfuffzehn, is klar!) zurück fliegen, ist nicht ganz klar, ob der Express schon fährt. In diesem Fall müssen wir eines der zahlreichen Busunternehmen benutzen. Prüfe doch bitte ob der Express schon um knapp 06:00 Uhr fährt. Dann können wir die Tickets hin und rück bereits auf dem Hinflug kaufen.  Ansonsten kaufen wir nur hin und müssen später Bustickets besorgen. An welcher Station müssen wir raus wenn wir zum Hotel wollen. Welche U Bahn und wo gibt es dafür die Fahrkarten. Das Ergebnis trägst Du im Zug nach Hannover in einwandfreiem Oxford-English vor ;-)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Stansted_Express

 

 

Das Hotel:

 

Best Western Paddington Court

London Hyde Park

27 Devonshire Terrace

London W2 3DP

 

hat Franky gebucht. Deshalb wird er sich auch melden, wenn er Geld braucht. Die Kosten belaufen sich auf ca. 130 EUR p.P. für drei Nächte wenn ich mich da nicht völlig verhört habe J

 

http://deutsch.hotels.com/pageDetails.do?&destinationId=3d931ace-e3fe-46b4-a243-61d44a22053b&hotelId=172215&arrivalDate=11.09.2006&departureDate=14.09.2006&numberOfRooms=1&adultsPerRoom=1&childrenPerRoom=0

 

Das Geld für die Flüge wird Montag abgebucht. Deshalb bitte ich Euch die Überweisung so schnell wie möglich auf mein Konto vorzunehmen. …“

 

Oxford-English. Scherzkeks!

 

Nachdem das mit den freien Tagen nach viel Gewürge doch noch klappt und die Tickets auch fest sind – zudem Birgit von der Notwendigkeit dieser Fahrt (nicht wirklich) überzeugt werden kann („Hrmm! Und bring nich wieder irgendwelchen Scheiß mit! Kost alles Geld!“), steht dem Inselüberfall nix mehr im Weg… Die Johann’schen Hausaufgaben gemacht, nochma schnell „The Football Factory“ gekuckt (Vorbereitung ist alles!) und mit der Page von den „Chelsea Headhunters“ verglichen. Hm, nicht wirklich sympathische Leute. Offenbar übles Faschopack – so mit SS-Totenköpfen im Logo und so. Dass die Celtic nich mögen, hab ich ja nun vorher schon gewusst…

 

Ich sach denn schoma schüs!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:)

 

Was hat man nich alles für schwer wiegende Entscheidungen zu treffen vor soner Tour: Bw-Rucksack oder Sporttasche? Lieber nochn paar Pfund besorgen, auch wenns drüben billiger is! Wo pack ich die Bierreserven rein? Handgepäck ischa wohl nich, schon gar nich mit Flüssigkeiten, fliegen ja ausgerechnet an 9/11 – und denn noch nach Huch-schützt-euch-vor-Terroristen-London! Ganz großes Kino! Da heißt es frische Unterhose anziehen, bevor die dich da filzen wie Hulle und dich blank ziehen lassen. Yeeehieee! Und überhaupt: Wer zum Henker ist „Laser“?

 

Schnell noch würdevoll im Garten die Werderflagge gehisst, die Sporttasche über die Schulter geschmissen und mit einem „Ich sach denn schoma schüs“ die Family zusammengetrommelt. Gut, Sandie is gar nicht da, Désirée kommt runter und wünscht Zähne knirschend „Viel-Schbas-denn-auch!“ Doch, ja, sie würde gerne mitkommen. „Aber wenn Ihr in Hannoi ankommt, müsst Ihr wenigstens ordentlich >Scheißhannover! Scheißhannover!< brüllen! Ich will das hier hören können! Und zu dem Donut-Laden links vom Piccadilly Circus musst Du gehen! Ders total geil!“ Birgit besorgt dann noch schnell die Sterlings und bringt mich dankenswerterweise zum Hbf.

 

Wo ist Behle Laser?

 

Und überhaupt: Wer zum Henker ist „Laser“?

 

Halb drei nachmittags. In der Bahnhofshalle gleich ersma Johann getroffen, der allein neben zwei Reisetaschen einen suchenden Blick Richtung Maren schickt, die sich wohl gerade was zu essen holt.

„Jouh, und ich häng hier bei den Taschen. Kanns ja nich alleine stehen lassen.“ – „Nee, und heute schon ma gar nich!“ –

„Hör bloß auf mit 9/11!“

Maren is wieder da und auch Breidy schmeißt seine Tasche auf den Boden. Vereinzelte andere Werderaner schieben sich durch die Halle. Sind wir also nicht alleine aufm Weg.

 „Fehlen nur noch die schrecklich Netten!“ –

„Wer weiß, wann die aufstehen!?“ –

„Können ja schlecht mitm Zuch inne Prager Straße fahren!“ –

„Jahaha, die Story hab ich auch schon ma gehört! Aber Franky wollt ne Kiste Bex mitbringen!“ –

„Gute Aktion!“ -

„Naja, übersehen kann man sie ja nicht mit ihren quietschgrünen Klamotten!“ –

„Schjuldigunk! Kjennen Sie chelfen, Farrkarrte chollen bite?“, wird Johann von einer beleibten Osteuropäerin gleich in Beschlag genommen. „Häh! Nee, arbeite nich hier! Hrmm! Na gut, wie viele Leute? Da drücken und da und jetzt das Geld da oben rein und fertig! Mann!!! Habbich ne rote Mütze auf oder was?“ -

„Halloooo! Hallooo!“ –

„Kommt ihrdn auf Mal her? Und gar nicht in Quietschgrün?“ –

„Aber dafür ist das Bier eiskalt.“ –

„Aaah, das nenne ich doch Stil! Kann losgehen!“ –

„Is Laser schon hier?“ –

„Nee, dachten der kommt mit euch!“ -

„Zwiebelmettbrötchen wär jetzt nett! Schön mit Werder-W aufa Tüde nach Hannover. Das hat Art!“ –

„Ja, wir ham auch noch Hunger!“

Kurz, alles strömt kurz auseinander. Viel Zeit bleibt ja nich mehr. Aufm Rückweg zur Gruppe seh ich son Typen, grünes Shirt, Pilotenbrille, Bartversuch, aufm Weg zu Gleis 11. Kenn ich irgendwoher, Brommy oder so. Zehn Sekunden später läuft mir Frank übern Weg. „Wo willst dudn hin? Gleis 11?“ –

„Nee, Inga wollt sich hier noch was holen! Hast du Laser gesehen?“ –

„Nee, kenn ich aber auch nich!“ –

Noch drei Minuten. „Dann ist der wohl oben aufm Bahnsteig.“ –

„Oder noch zu Hause…“ –

„Handy…?“ –

„Hat der nich!“ –

„Wenn ich wüsste, wer das is! Hab da eben son Typen gesehen, der lief aber kurz vor dir her, müssessu auch gesehen haben, so größer, Brille, Kugelbauch, Bart, Richtung Gleis 11.“ –

„Das könnter sein, aber nee, Gleis 11? Nee, der weiß doch, dass wir gleich los müssen. Ders bestimmt schon oben.“ -

Nee, kein Laser aufm Bahnsteig. „Egal, ersma rein inn Zuch! Vielleicht isser ja auch schon drin?“ –

„Hier – im Obergeschoss  is doch schön viel Platz!“ –

„Tja, Scheiße, Laser! Zuch fährt!“ –

 

Naja, nach einigem Hin- und Hertelefonieren ist klar: Laser kommt nach, war zwar am Hbf, „hatte uns aber nicht gefunden“…

 

(Der Küchenchef empfiehlt: New Model Army - Vagabonds)

 

Oxford-English-Presentation gibs natürlich nicht. Frankys gut gekühltes Gepäck will ja erleichtert werden. Außerdem wissen ja eh alle, dass Leisereiter Johann alles im Griff hat… In Hannover, der Möchtegernhauptstadt des Nordwestens (¡No pasaran! Bremen bleibt frei!) angekommen, gleich die S-Bahn zum Flughafen genommen. In Langenhagen steigt noch Dirk hinzu (der grünweiße Leuchtturm in einem traurigen Meer lauenburgischer Fußballahnungslosigkeit in Schwarzweißblau). Soweit komplett! Bis auf… aber das hatten wir ja schon.

 

Nachm Einchecken (und der schweren Entscheidung alle Bierreserven in der Sporttasche zu belassen) läuft plötzlich Laser durch das Flughafenabfertigungsgebäude. Jouh, is mitm Schnellzuch hinterher. Kost so um 40 Ocken extra, aber nützt ja nix! Mühe allein genügt nicht!

Alles klar! Auf zum Burger fassen! Unsere Ich-brauch-mich-nirgendwo-anzustellen-weil-Django-hat-Silver-Card-Reiseprofis Inga und Franky hatten Kenntnis von dem Burgerbräter schlechthin, wie sie sagten: „Da müssen wir uuuunbedingt hin!“ Hmm! Was zu essen? Das war nun echt das Letzte, worauf ich jetzt Lust hatte! Gute Idee!

 

Und wo is der Burger?

 

Vor allen Dingen deshalb ne gute Idee, weil bei der deliziösen britischen Küche ja nun auch so gar nicht damit zu rechnen ist, womöglich auf etwas Anderes als auf die dortigen Spezialitäten zurück zu greifen – sprich: die nächsten Tage ausschließlich von Burgern zu leben.

 

Da isser, der Burger (Bildmitte vorne – ach ja, und exakt dahinter is der andere, der Laser!)!

 

Und - hui! - geht’s in die Luft und zack! – macht jemand draußen überm Kanal das Licht aus. So landen wir also in der Dämmerung auf dem Dorflugplatz Stansted. Dorfflugplatz? Nicht wirklich. Ham da n ganz schön ordentliches Teil in die englische Pampa hingestellt, die Briten! So’n büschen Futurama für Arme, kommste an, dann per Rohrpost zu den Terminals und auf mal siehste jede Menge Leute, die auch gerade erst angekommen sind.

 

Nach geschätzten 150 km durchs Flughafengebäude stehen wir plötzlich an der frischen Luft. Nun noch ein paar Gänge runterschlängeln und wir stehen vorm Stansted Express.

 

Ääh, wie lange sind wir jetzt unterwegs?

 

Schicke Zuchfahrt! Lagerhallen ohne Ende. Aber schließlich kommt eine Skyline in Sicht, die jener in Frankfurt nicht unähnlich zu sein scheint: Wir sind da – London! Und da der Zielbahnhof London Liverpool Street.

 

(Der Küchenchef empfiehlt: London Celtic Lizzy – The Bhoys Are Back In Town)

 

Jetzt wird’s spannend: Wie zieh ich vernünftig die günstigsten Tickets für den Londoner ÖPNV? Die ersten Automaten nehmen nur Münzen an, aber wer hat schon Klimpergeld in der Tasche? Franky hat zwar jede Menge Pfund bei, aber mit Aufdruck „Bank of Scotland“ isses in England auch nicht so der Hit. Will da kaum jemand sehen und die Automaten nehmen seine Scheine auch nicht an.

Nachdem einige sich Coins besorgt haben, Johann seine nur deshalb kricht, indem er sich beim Würgerking ne Cola zieht, zeigt Breidy ersma allen, wie’s auch mit Scheinen geht. Bupps, ham wir alle unsere Tickets für die Tube. Also ab mit der Circle zur Paddington Station.

 

Jouh, a sort of homecoming, würd ich sagen! Genau so schmuddelig und sympathisch wie letzma (Siehe England vs Deutschland 0:1, 07.10.2000). Und auch unser Pub is noch da. Sehr gut, zapf schoma, wir sind gleich wieder da!

 

Auch wenn’s schwerfällt. Den Pub lassen wir ersma links liegen.

 

Ersma einchecken! Was gar nich so einfach zu sein scheint. Vor allem deshalb nicht, weil die Mädels an der Rezeption offenbar noch weniger Englisch können als wir. Jouh! Magda (vermutlich aus Polen oder so) will uns erzählen, dass die Zimmerbuchung angeblich erst heute reingekommen sei, dabei hat Mister Pieters quasi schon Weihnachten alles klar gemacht.

Synchronisiert: „Okay, jetzt haben wir ein Problem! Wir haben nicht genug Zweibettzimmer zur Verfügung. Zwei von Ihnen müssen sich für diese Nacht ein Vierbettzimmer teilen. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, suchen wir für Sie morgen ein adäquates Zimmer.“ – „Na gut, bis morgen wird’s schon gehen!“

 

Breidy is eh alles Recht, so lange er nicht mit mir auf eine Bude muss. Pffh! So’n Mädchen! Nu zieht er halt mit Laser zusammen. Dirk und ich nehmen die Viermannhalle, und die Pärchen bleiben eh zusammen. Jezz ersma das Bier in den Kühlschrank und dann waschen. Selten ham wa so nach Bahnhof gestunken wie heute…

 

Zimmer 405. Für Londoner Verhältnisse ganz ordentlich. Da waren wir vom Julius Caesar Hotel Schlimmeres gewohnt. Gut, kein Kühlschrank! Fuck! Bleibt’s also bei lauwarmer Cervisia. Immerhin ist alles unbeschadet angekommen. Aber ein passables Bad und ne Aussicht über die Dächer von Bayswater. Hätt uns schlimmer treffen können! Ich glaub, hier bleiben wir.

 

Aber auf jeden Fall! Die anderen erzählen die ganz großen Horrorgeschichten über ihre Hütten. Kellerräume und Schlimmeres. Dirk und ich pfeifen diskret ein Liedchen, um nicht in den Klagechor einstimmen zu müssen. Our home is our castle…

 

Also, Sprung auf! Im „Pride of Paddington“ hat man sich vermutlich schon totgezapft für uns. Naja nicht wirklich… Last order war schon. Aus die Maus!

Wie, last order? Denk, die Sperrstunde ist gefallen!? Isse auch, aber die licences regeln alles wie gehabt. Es wird unterschieden in Wochenend-Lizenzen und Lizenzen für jeden Tag. Nun sind Letztere offenbar so teuer für die Wirte, dass kaum was für sie übrig bleibt, also holt sich jeder eine Wochenend-Lizenz und alles ist wie zuvor: 23 Uhr und in London ist ungefähr so viel los wie in Kirchtimke! Nach den dummen Gesichtern machen wir uns also auf die Strümpfe nach kaltem Bier, das du dir in den zahlreichen Shops umme Ecke immerhin noch holen kannst, so lange es in diskreten Papiertüten versteckt werden kann. Also ab auf die Bude. Da unsere zur rauchfreien Zone erklärt wird, trifft sich alles im Palast von Familie Laserbreidy.

 

Hatten vorher ob des fehlenden Kühlschranks noch leise Zweifel an unserem Zimmer bestanden, so wird uns jetzt klar, dass wir unsere Fürsten-Suite nicht mehr hergeben würden:

Urgemütlich! Nurn büschn waam!

 

Also dauert’s nicht lang, bis die Vahraonen Einszweidrei, Oberkörper frei machen, oder zumindest das offene Hemd den Blick auf den runden Stolz eines Familienvaters frei gibt. Obwohl nur ein Minifenster geöffnet werden kann, wollen die Mädels partout nicht für Marscherleichterung sorgen. Pah, dann schwitzt halt! So ist dann auch bald Zapfenstreich.

 

Morgen zählt’s!

 

(Der Küchenchef empfiehlt: Blur – Song 2)

 

Nacht war in Ordnung. Dirk hat nicht geschnarcht. Ihm geht’s – glaub ich – auch ganz gut. Dienstplan für heute: Einnahme eines britannischen Frühstücks, Piccadilly, Pub, Spiel, Pub, Castle Laserbreidy (oder woanders), Koma. Anzug: Anzug, Sommer-, leicht. Abmarsch: sofort nach Parole, spätestens 1000z.

 

Frühstück in Ordnung. Englisch, eben! Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich mag’s! Toast, scrambled eggs, beans & bacon, sausages, tea and orange juice. Dreimal ans Buffet, Hauptsache, satt! Bestellung für alle auf Four-o-five, Mr Fränk Pieters…

 

Parole draußen: Auf Schatz & Schatz warten. Und warten. Und warten. Da findet wer seine Kontaktlinsen nich, oder die nich den Weg inne Augen, wie auch immer. Ich beginne schon wieder Hunger zu kriegen…

 

Tagesticket gezogen, mit der Bakerloo von Paddington zum Piccadilly Circus. Breidy macht den Warner: „Lasst den Dicken bloß nicht in einen CD-Laden reingehen, der kommt da nie wieder raus! Lezzma auch, kommter ganz stolz mit som Pack Fußball-CDs unterm Arm wieder raus, so kuck ma, irgendwelche Vereinslieder von was-weiß-ich-Downtown-United oder so. Kennt kein Schwein! Hat aber auch nur knapp vier Stunden gedauert, echt!“

 

 : „Lüge (Nach-Luft-pump!), Verleumdung (Pump! Pump!), sssaudummes G’schwätz!“ (okay, das jetzt ausgerechnet DER zitiert wird… äh, Sorry! Kommt nicht wieder vor!).

 

(Der Küchenchef empfiehlt: Carl Douglas – Kung Fu Fighting)

 

Piccadilly. Nicht viel los. Aber den Peiner Stefan, den wir kurz vor unserem Hotel mit seinem Kumpel aufgelesen haben, weiß wo um diese Zeit schon ein Pub auf hat. Gegenüber von China Town, mitten im West End. Da waren die gestern schon versackt. Klingt gut! Hat aber noch zu. Nach verstörtem Kratzen an der Tür,

geht dieselbe einen Spalt weit auf. „Open at 12!“ Hm! Und nu? Eimer um Pudding, China Town machen.

 

Wo ist Ming Lee Foo?

 

Da!

 

Hmmh… Jammjamm! Ja, nee, is klar!

 

Kurz nach 12: Brave Gäste! Pub hat noch nichtig auf und wird schon geentert. Wär ich Wirt, auf uns wär ich stolz!

 

O’Neill’s Parkuhr: Brem is da!

 

Immer wieder stratzen Werder-Fans vorbei. Der eine oder die andere halten auch die Nase rein, andere gehen vorbei, alles Neckermänner!

 

(Der Küchenchef empfiehlt: The Business – Guinness Boys)

 

Gambos und Hoschies fallen aber mehr und mehr ins O’Neill’s ein. Julia aus Nichtengland bringt das Bier.

„Nee, Guinness mach ich nich! Das, was die da hinten da haben, sieht doch aus wie Bier… Ääh, sis bier da, ei wont sis…“ -

„Du musst please sagen…“ –

„Ääh, plies!“

“Aah, you mean Carling? Or Foster’s?” –

“Fosters! Fosters! Das kenn ich wenigstens!”

Julia ab.

„Korling? Neenee, kennichnich!“ –

„Celtics Werbepartner. Und das heißt Carling.“ –

„Kennich trotzdem nich! Nee, dann lieber n Fosters…“

Julia will gerade abladen, als irgendwer hinten was von Beck’s erzählt. Johann ganz hektisch: „Beck’s? You have Beck’s?! Und ich bestell Fosters!!! Beck’s. Plies!“

Bex kommt. In kindgerechten 0,275 l-Flaschen… Mehr is wohl zu hart für England…

 

Fiddel nach zwölf in London: You’re fit but you know it!

 

Fery nippt schwer begeistert an seinem Carling: „Booah, das schmeckt wie Klo riecht! Hälts nich aus! Riech mal!“ -

Die Bang Gang hält alle Nasen in sein Pint: „Puuh!“ –

„Bääh!“

„Lllll!“ –

„Stimmt! Muss noch seit gestern in der Leitung sein. Das erste Gezapfte heute!“-

„Genau so riecht das!“ –

„Aber Hut ab! Jetzt, wo’s fast alle is, merxas ers?“

Okay, Ferys erstes Bier ging dann aufs Haus...

„Lass ma was essen!“ Und das kommt nicht von mir! Überraschung: Es gibt Burger!!!

 

 

 

Hiiiineiiiiin!!!

 

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  C.I.A. – The Fields Of Athenry)

 

 

Längst ist die Meute auf Robert aufmerksam geworden, der draußen vorbei wankt und seine roten Augen jeweils hinter geschätzten zwei Litern Pipi (pro Auge) durch London schleppt. Nachdem auch er uns entdeckt, schwankt der Hoschie in den Pub. „Hoschie? Bin kein Hoschie!! Binn Honk!!!“ –

„Nee, du bissn Gambo!“ –

„Nee, aber weißu wovon ich träum?“ –

„??“ –

„Mein ganzer Club, alles Werder-Honks, steigt so ausm Zuch: Honks! Honks!! Honks!!! HONKS!!!! HONKS!!!!!“ –

„Honks??“ –

„Das wär ssoooooooooo geil, Alder! Honks! HONKS! HONKS!!!“

Jouh, Honks! Honks! Honks! Hahaha!!” -

“Und du bist der Obergambo von den Honks!“ –

„Obergambo?“ –

„Jouh, zwölf Hoschies von den Honks machen einen Gambo!“ –

„Alles Neckermänner!“ –

„Honks! Honks!! HONKS!!!“

 

Zeit vergeht! Gerüchten zufolge trifft sich alles, was grünweiß ist, am Trafalgar Square. Auch hin oder lieber noch n paar Bier lenzen?

 

Näh! Ich geh nicht zum Trafalgar! Da sind doch nur Neckermänner!

 

Johann, nech! Kaum vom Bund weg, ist ihm jeder Weg zu weit! Will mitm Taxi zum Trafalgar Square fahren: „Laufen? Bist du bescheuert? Das voll weit weg!“ –

„Quatsch! Das hier ganz in der Nähe! Hier rechts bis Piccadilly, dann links und dann bischon fast da!“ –

„Kenns das Spiel „Scotland Yard“? Da ist das voll weit weg!“ –

„Aber hiers das gleich umme Ecke!“ –

„Wa, schon da?“

 

 

Schon erstaunlich, wie „beliebt“ Chelsea in London so ist. Ich weiß nicht, wie viele Londoner uns alles Gute gewünscht haben gegen die Blues. Okay, waren etliche Gunners dabei, auch n paar Hammers und sogar ein Tim im Scotland-T-Shirt. So Smalltalk inner Tube, er so im breitesten schottischen Akzent, ach ihr seid aus Bremen, ja wird schwer aber ich glaub an euch, Chelsea mag hier eh keiner, die reden nur Scheiße, genauso wie die Scheiß Rangers, naja sehen ja auch genauso Scheiße aus, ihr seid ja wenigstens grünweiß… Da kricht man doch gute Laune!

 

 

Stimmt schon, das mit den Neckermännern irgendwie! Kennz ja keine Sau von!

 

 

An bekannten Gesichtern nur Seppo und n paar andere Psychos getroffen, später noch Tom Berlin, noch das eine oder andere kurze Hallo, aber sonst? Nur Neckermänner! Und schwer zu schätzen, wie viele. Verteilt sich aufm Trafalgar ganz schön. Umme tausend würd ich sagen.

 

Weiß aunich, jedenfalls hab ich gleich ne Kanne Heineken im Arm, aus Essener Beständen. Dabei steh ich ja mehr so auf die K-Town-Connection…

Echt! Nur Neckermänner! Hier noch so welche…

 

Zwischendrin normale Touris. Was die wohl zu Hause bei der Fotoshow erzählt haben?

 

變化形      * spricht man biànhuàxíng

 

So, genug rumgehangen! Von irgendwoher kommt das Startsignal und schon setzt sich die ganze Meute in Bewegung. Natürlich nicht ohne Singsang. Jetzt wird’s zum ersten Mal auf dieser Tour so richtig imposant, aber so richtig! Vielleicht zweitausend Grünweiße sorgen feiernd dafür, dass zwischen Trafalgar Square und Piccadilly Circus das arbeitende London in den Bürofenstern hängt.

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Rubbermaids & Gegengerade Allstars – You’ll Never Walk Alone!)

 

Massenhaft Deutsche marschieren singend durch das Herz von London! Vor 65 Jahren wäre das noch eine Horrorvorstellung für die Briten und für alle Antifaschisten dieser Welt gewesen. Aber statt „Lili Marleen“ und „O du wunderschöner Wehehesterwald“ trällern die heutigen Invaders fröhlich „1899 – das ist unser SVW…“, „You’ll never walk alone“,  „Voran, SV Werder Bremen! …“ Da wird ne ordentliche Humba gemacht und wer’s immer noch nicht gerallt hat, krichts direkt in die Ohren gepresst: „Hier regiert der SVW!“ Passt auch besser, ist auch schöner!

 

Hurra! Hurra! Die Bremer, die sind da!

 

London reagiert gelassen: Kein Autofahrer hupt, keiner zeigt irgendwelche Finger oder zeigt sich belästigt oder gar verärgert. Auch die Staatsmacht gibt sich cool und freut sich sogar mit. Das Beste bringen aber irgendwelche japanischen (?) Jungmädels, die die ganze Szene natürlich fotografieren, aber dabei versuchen unsere Lieder, deren Melodien ihnen offenbar bekannt sind, mitzusingen – mit welchem Text auch immer! Spaß und gute Laune auf allen Seiten!

 

Mob entlang Piccadilly

 

Wie cool die Londoner Bullen mit so einem Mob umgehen, zeigt die folgende Szene: Irgendwie ist unklar, ob wir den ganzen Weg bis nach Chelsea jetzt laufen würden oder doch irgendwie anders dorthin kommen würden. Zu Fuß? Ganz schön weit, mit den Tubes immerhin acht Stationen bis Fulham Broadway! Die Cops lösen das Problem für uns – sie schieben den ganzen Mob am Piccadilly Circus in die U-Bahn-Station.

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  The Jam – Going Underground)

 

Going underground

 

 

 

 

 

Gut Dreiviertel der Meute verschwindet in der U-Bahn, der Rest fragt sich was zu tun ist und teilt sich auf in Leute, die auf den nächsten Zug warten und in die Crème de la crème (also so Typen wie wir), die aus dem Untergrund wieder auftauchen. Clever gemacht, Ruhe im Karton!

 

Und nu?

 

Und so mancher fühlt sich ja nu so gar nicht wohl:

 

Eingekeilt zwischen ihn ignorierenden Vahraonen…

 

 

 

 

 

Vorsicht vor Opa Grimm (am unteren Bildrand)!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  The Pensioners – Chelsea Blue Day)

 

Also los! Chelsea will geschlagen werden! Auf zur Stamford Bridge! Mit der District bis Fulham Broadway, dort stolpert man natürlich gleich wieder über die üblichen Verdächtigen…

 

Was is los?! Den ganzen Stoff hinterm Rücken oder was??!

 

Hierbleiben, Bulle!

 

Erlebnisorientiert

 

Und jetzt alleeee: A.C.A.B…

 

Genau, und letztes Mal stand dann hier die ganz alte Burg…

 

Stamford Bridge auf einer Ansichtskarte 1987, aufgenommen aus „The Shed“

 

Stamford Bridge, The Shed, vor 1994    (Quelle: cimelidiguerra.tifonet.it/ment.html)

Definitiv keine Neckermänner…

 

The Shed in den 70-ern    (Quelle http://cimelidiguerra.tifonet.it/shed1.jpg)

Da war mal richtig was los…

 

 

 

Ööh nee, das sah aber früher anders aus… Wosn das Stadion hin?

 

Ach, da, das graue Ding da rechts hinter der Laterne…

 

 

 

The Shed End, Eingangsbereich

 

Auch nicht schlecht: Die alte Chelsea-Kurve „The Shed“ jetzt für den Away-Support! Müssen wir jetzt Angst um unsere Ostkurve kriegen?

 

 

 

 

 

 

Wenn das so weiter geht:

 

Ich will ja auch gar keinen alkohol verkaufen… und schon gar nicht entsprechend den bestimmungen der UEFA.

 

 

Natürlich gehört Werder auf den ersten Rang!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Stiff Little Fingers – Stand up and Shout)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Shed End 2006 – in Grünweiß!

 

 

 

 

Hat aber immer Spaß gemacht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles so modern hier… Aber schöner Abendhimmel!

 

 

 

 

 

 

HIER REGIERT DER SVW!!!

 

Chelsea FC vs SV Werder Bremen

 

 

Zum Spiel schreib ich – wie immer – nicht viel bis nichts, ist ja auch schon fast alles drüber geschrieben worden. Nur so viel:

 

 

„Outsung by 3,000 Germans! … They were magnificent!” (Kommentare aus Chelsea Foren)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und der konnt’s auch nicht verhindern! Die dahinter schon gar nicht, die Hoschies!

 

 

 

 

Best away support ever!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Best away support ever!

 

 

 

 

Worst away Coke ever!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geeeebt mir ein Haaaaa!

 

 

 

Humbahumbahumbatäterääää! Täterääää! Täterääää!

 

 

Okay, auf Chelsea hatte nun keiner mehr so richtig Nerv. Also zurück zur U-Bahn und zurück zum Piccadilly, so lange noch irgendein Pub aufhat. Ja, klar, jetzt, „wenn der Tag gelaufen ist“, da kommen Gesänge ausm Chelsea-Pub an der Fulham Road, jetzt! Pffht! Wo wart ihr denn die letzten zwei Stunden, häh? „Sing when you’re winning! You only sing when you’re winning…“ Luschen!

 

 

 

 

 

Ganz schön schräge Gegend: Piccadilly tube at Earl’s Court

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  The Streets – Fit But You know It)

 

 

Ins O’Neill’s kommen wir nicht mehr rein, also ersma ne Tasse am Piccadilly-Kreisel, der schon lange keiner mehr ist.

 

Das reißts aber auch nich: Piccadilly Circus at late night…

 

 

 

 

 

Oh nein, und dann kommen auch noch jede Menge Neckermänner längs…!

 

Neckermänner: Gleich 4 in a row! Und jeder von denen machtn Foto von uns… Mannmannmann!

 

Jetz reicht’s! Zurück zum Hotel! Vorher noch zu unserer Tankstelle und ab auf Stube. Diesmal kurz auf unsere, aber nicht lange. Die Hausherren machen bald Schicht, die Harten düsen noch inne Hotelbar – bis kurz vorm Frühstück…

Nee, morgen werden Kilometer gerissen: Der Sightseeing-Tach steht an.

 

Nach dieser Nacht ist unser Rumlatsch-Haufen doch ziemlich dezimiert: Majo, Dirk und ich. Breidy hat wie immer keinen Schmeck auf Sightseeing, der Rest ward eh nicht gesehen.

Ersma mitm Bus zur Tower Bridge. Gestern noch in China, heute im Libanesen-Viertel. Psst! Scheiße! Nu isses doch raus, meine kleinen Nebeneinkünfte:

Is aber noch viel zu früh! Hab noch nich auf!

 

Auch für Maren. Nickt doch glatt weg im Bus! Wir passieren Marble Arch, Trafalgar Square, Fleet Street, St. Paul’s Cathedral und fallen am Tower Hill ausm Bus. Am Tower vorbei zur Brücke. Jezz aba ma n schönes Touri-Fodo von uns. Nette Japanerin kricht gleich den entsprechenden Auftrag: „Three, two, one, cheeeeeeese!“

 

Gleich danach wurde die Fotowand hinter uns weggestellt und durch eine mit ägyptischen Pyramiden ersetzt, aber das schien uns dann doch etwas dick aufgetragen…

 

Underground und rote Busse hamwa schon genutzt. Geflogen sind wir auch. Schiff fehlt noch! Gesagt, getan!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Madness – Night Boat To Cairo)

 

Eine Themsefahrt ist lustig, eine Themsefahrt ist schöööön…

 

Bimbambümbum! Bumbümbambemm!

 

Jawoll, uns ist auch kein Touri-Gag zu feist! Mitten im Zentrum der britischen Macht, zwischen den Houses of Parliament und 10 Downing Street bekennt sich Johann zu den Roten Zellen:

 

I just call to say I’m Gambo!

 

 

 

 

Und es soll noch feister werden: Nachdem wir eine chinesische Demo mit viel Tschingderassabumm gegenüber Downing Street bewundern, wollen einige unbedingt noch kuckn, wo die Goldoma wohnt: Zum Fuckingham Palace. Das hatte mir gerade noch noch gefehlt! Alle wohlfeilen Argumente und Verweise auf die Unterdrückung des irischen Volkes durch die Krone und auch alle Proteste („So, jetzt waren wir aber nahe genuch dran! Jezz könnwa da ma lang!“) helfen nix: Majo wollen unbedingt mal am Zaun rütteln oder so. Grummelgrummelsoeinkack!

„So! Da isser! Jazz könnwa aber gehen!“ –

„Ich hab die Wachen noch gar nicht gesehen…“ –

Super! Hurra.

 

Is ja gar nix zu erkennen!                           Wozu hat die Kamera einen Zoom?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück zum Wesentlichen! Ich hatte ja noch einen Auftrag:

 

Wie war das noch? Désirée sagte, links vom P-Circus sei der geilste Donut-Laden wo gibt: „Da musst du unbedingt hin!“ – Naja, warum nicht? Gibt ja was zu essen, da…

 

Carnaby Street sollte man eigentlich auch gesehen haben, sach ich noch so zu meinen fröhlichen Mitstreitern. Subkultur, verbotene T-Shirts, ein bisschen getollshocktes Restfeeling vom Swinging London der 60-er, ein bisschen Punk der 70-er und alles unter dem Motto „Mind the gap!“ – Scheiße! Alles vorbei! Nix mit! Nur noch Schickimickiläden, die du so aber auch in jeder anderen Großstadt finden kannst! Einzig ein Fußball-Trikot-Laden vermag uns noch in seinen Bann zu ziehen! Kurz überlegt, ob ich mir nicht ein neues oder noch besser neues „altes“ Celtic-Trikot zulegen sollte, aber angesichts des Preises dann doch darauf verzichtet. Das will Johann gleich Birgit gegenüber lobend erwähnen, so KK hat Celtic-Klamotten in der Hand gehabt und doch nix gekauft. Hahhah!

 

Inzwischen wird uns klar, wo wir den heutigen Abschlussabend verbringen werden: Im Cock Tavern, dem Club-Pub des London No.1 Celtic Supporters Club. Dessen Adresse hatte ich mir vor der Fahrt vorsorglich schon mal aus dem Net gezogen. Und Euston ist ja auch nicht so weit weg. Das is also schon mal geritzt!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  The Beatles – Come Together)

 

Vorher aber noch ein echtes Highlight! Wir machen den Abbey-Road-Zebrastreifen, den wohl berühmtesten Zebrastreifen der Welt! Aber wo ist der auf dieser verdammten Abbey Road? Nicht, dass wir uns den falschen Zebrastreifen angucken… Also erstmal bis ans Ende der Abbey Road gefahren. Bis dahin zählen wir drei entsprechende Fußgängerüberwege. Natürlich war es gleich der erste, den wir vom Bus aus gesehen hatten, also latschen wir den ganzen Weg zurück. Nett, auch mal ne normale Wohngegend zu sehen – nicht immer nur Hotels, Büros, öffentliche Gebäude, Kaufhäuser oder Massensehenswürdigkeiten!

 

Auf den Spuren der Beatles

 

Gar nicht so einfach! Nahezu perfekt und dann kommt ein Buggy des Wegs! Scheiß die Wand an!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt aber: Perfekt!

Original und Fälschung: Unser Fotograf hat auf dem rechten Bild zehn Fehler versteckt. Finden Sie sie heraus?

 

Nachdem wir auch noch die Abbey Road Studios entdecken, wird es nach einem weiteren Schlenker in die Stadt langsam auch wieder Zeit, ins Hotel zurückzukehren. Immerhin haben wir noch einen Termin. Endlich nehmen wir einen Schluck im Pride of Paddington. Von dort aus melden wir uns telefonisch in der Cock Tavern an, immerhin spielt heute Celtic bei ManU in der CL. Die Bude verspricht voll zu werden.

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Charlie & The Bhoys – Over and Over & Hail Hail)

 

Von außen ein ziemlich unscheinbares Ding, auch innen eher schmucklos, aber ein schöner großer Clubraum – eine ideale Fußballkneipe eben. Breitwandbildschirm überm Tresen und rechts ein Bigscreen lassen eigentlich permanent den Blick auf das Spielgeschehen zu. Jede Menge Hoops laufen bereits herum, als wir eintreffen. Alle Altersklassen sind vertreten. Schon ziemlich voll, der Pub. Als ich einen Opa frage, ob vielleicht an seinem Tisch noch etwas frei wäre, räumt er sofort hilfsbereit das Feld.

Johann bestellt zuerst.

 

                     

Wer will 'n Orange Whip? [pointing] Orange Whip? [pointing] Orange Whip? Drei Orange Whip. [An Orange Whip is like an Orange Julius. There's also Pina Colada Whip. No alcohol in either.]

Nee, gibt dann doch eher Guinness und Carling. „Orange“ würde in diesem Pub ja nun auch so gar nicht gut ankommen! Und dann noch alkfrei – nee! Außerdem sind wir eh zu viert.

 

Stimmung zu Spielbeginn gleich ganz ordentlich. Auffällig ist, welchen Stellenwert eine erzielte Ecke auf den Inseln hat: Immer wieder tosender Applaus braust auf, noch mehr als wenn in Deutschland ein Eckball erkämpft wird. Naja, wir kennen auch Werders Ecken…

 

Hin und wieder werden Fangesänge angestimmt („Hail! Hail! The Celts are here…“) und bei mir werden allzu lebhafte Erinnerung an das Biddy Early’s in Stuttgart wach…

 

Uns registriert man kaum. Bis jetzt. Gut, farblich passen wir 4 in grün und weiß ja auch prima hierher. Doch dann passierts und man bemerkt uns: Ca. alle 15 Minuten übermittelt ein Laufband am unteren Bildschirmrand über die Zwischenstände der anderen CL-Spiele – und was dürfen wir da lesen? Hamburg 0 Arsenal 1. Riesenjubel an einem Vierertisch, was den Rest der Versammlung einigermaßen irritiert. Arsenal-Fans im Celtic-Pub? Aber man hält sich nicht weiter mit derartigen Gedanken auf, es gibt schließlich Wichtigeres: Celtic spielt. Und das ganz gut: Erst 1:0 in Führung und kurz vor Halbzeitpfiff kann Nakamura mit einem Wahnsinnsfreistoß die zwischenzeitliche Führung ManUs ausgleichen.

 

In der Halbzeit schaue ich mir den Laden mal genauer an und betrete den übervollen Clubraum. Auch hier mehrere Bigscreens. Und als man mich entdeckt, erkennt man sofort, dass wir diejenigen waren, die Chelsea gestern in Grund und Boden gesungen haben. Jede Menge Lob und Anerkennung geerntet. Mit dem Hinweis, dass „meine Leute“ draußen am Tisch sitzen, gehe ich dann wieder hinaus, zumal die zweite Halbzeit beginnt. Nicht ohne vorher noch zuhören, dass wir nachher ruhig reinkommen sollen.

 

Majo und Dirk haben so langsam einen Devilshunger! „Hmm, lass mal nachm Spiel noch irgendwo was essen gehen!“, meint Johann. Doch was zuletzt immer nur in später Nacht über London hereingebrochen war, tritt jetzt ein: Es beginnt zu regnen – und zwar heftigst! Damit rückt der Italiener wieder in etwas weitere Ferne.

 

Plötzlich tritt die Bedienung an unseren Tisch und reicht uns einen Teller mit ein paar Käse-Sandwiches. Prima Service des Hauses – natürlich nicht extra für uns, klar! Damit ist der erste Hunger erstmal gestillt.

 

ManU gewinnt doch noch 3:2. Ärger aber Anerkennung für die Mannschaft von Gordon Strachan, gegen den Werder ja noch im UEFA-Cup spielte, als die unvergesslichen Spiele gegen Dundee United waren. Damit geht’s den Celts ähnlich wie uns – ganz ansehnlich gespielt, aber unterm Strich bleibt nichts Zählbares hängen. Nochmal bremischer Jubel, als klar ist, dass Scheiß-Hamburg noch einen kassiert hat.

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid. So lässt sich zunächst zusammenfassen, was sich dann abspielt. Vier Bremer betreten den Clubraum und gleich großes Hallo! Zeitweise darf ich gegen vier Pints gleichzeitig antrinken. „Nix, ihr seid auf Urlaub, da müsst ihr nix bezahlen!“ – Uff! Stress der angenehmen Art!

 

Man freut sich über die gleichen Vereinsfarben. Wir machen deutlich, dass unser Jubel weniger mit Arsenals Sieg als mit Hamburgs Niederlage zu tun hat, was die Celts sehr interessiert. Zufällig schnacke ich wohl gerade mit den richtigen Leuten, dem jetzigen Präsi des London No.1 C.S.C., der mich gleich dem Gründer des Clubs und ehemaligen Präsi (sofern ich alles richtig verstanden habe) vorstellt – ein Mann in seinen Mittfuffzigern, der offenbar einen Mordsrespekt bei seinen Mitgliedern genießt. Am meisten tausche ich mich mich mit John Shields, dem Webmaster aus. Und immer wieder Guinness. Auch von anderen Celts. Nicht einfach, selber mal einen auszugeben!

 

Die Devils haben wohl keinen Hunger mehr, jedenfalls klönen sie fröhlich am Tisch. Es wird viel gejohlt und gelacht und erste irisch-republikanische Gesänge hallen durch den Saal.

 

Man läuft sich warm – und gleich geht’s erst richtig los.

 

 

 

Ähnlich wie bei uns leert sich der Laden recht schnell, so unter der Woche. Der prozentuelle Anteil der anwesenden Bremer steigt rapide an. Ein harter Kern von knapp zwanzig Leuten ist fortan nur noch am singen. All die ganzen Lieder, von denen ich euch schon so oft vorgeschwärmt habe. Und – logisch – es kommt was kommen muss: „Hey Bremen! Sing us a song!“ – „Yeaaaa!“ –

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Werner Machowski mit seinen lustigen Musikanten & SV Werder 1982 - Das Werder-Bremen-Lied (Wo die Weser einen großen Bogen macht))

 

Okay – räusper! – Wo die Weser einen großen Bogen macht, erfüllt den Celtic-Pub. Riesen-Applaus und noch mehr Bier! Es werden Celtic-Lieder gesungen bis zum Abwinken. Dass mir die meisten Texte nicht ganz unbekannt sind, fällt auch vereinzelten Leuten auf, denen ich gleich erzählen darf, warum das so ist. Je mehr Bier fließt, desto hemmungsloser spricht man mit uns auch auf Deutsch! „Wie sagen Sie >Cheers<“? – „Prost!“ – „Aaaah, Proooust!!!“ – Es wird geprostet und gesláintscht was das Zeug hält. Irgendwann geh ich abschlagen und hör so, wie im Clubraum „Shhht!“ gemacht wird. Noch bevor ich zurückkehren kann, beginnt eine einsame Stimme – ich glaube, der Präsi - zu singen:

 

„Sinne Fianna Fáil
A tá fé gheall ag Éirinn,
buion dár slua
Thar toinn do ráinig chugainn,
Fé mhóid bheith saor.
Sean tír ár sinsir feasta
Ní fhagfar fé'n tiorán ná fé'n tráil
Anocht a théam sa bhearna bhaoil,
Le gean ar Ghaeil chun báis nó saoil
Le guna screach fé lámhach na bpiléar
Seo libh canaídh Amhrán na bhFiann.“

 

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Eire Og – Amhrán na bhFiann)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andächtig und feierlich hört die Menge zu und unter großem Applaus wird dem Sänger gedankt, denn dies ist die irische Nationalhymne. Falls es interessiert -  Hier die deutsche Übersetzung von Amhrán na bhFiann (Ein Soldatenlied):

 

Wir sind Soldaten, unser Leben gehört Irland;
Einige kamen von einem Land jenseits der Wellen.
Wir schwören frei sein, nichts anderes will unser irisches Volk

Sollen sich die Unterdrücker und Unterdrückten verstecken;
Heute Nacht besetzen wir die „bhearna bhaoil“
Für Irland, obgleich bei Sieg oder Niederlage,
Beim Donnern der Kanonen und Knall der Gewehre;
Wir singen dies Soldatenlied.

 

 

So geht es weiter bis kurz nach zwei! Schließlich verabschieden sich auch die letzten Celtic-Freunde von uns und uns wird ein Taxi bestellt. Dieses Verkehrsmittel fehlte uns ja auch noch. Große Enttäuschung bei Maren, als sich herausstellt, dass es kein klassisches London Cab ist, sondern ein „etwas billigeres Taxi“.

 

Und nu? Der Wecker wird um viertel vor Vier klingeln, so viel ist klar. Nu isses halb Drei. Schlafen oder durchmachen? Johann plädiert für Schlafen und kann sich durchsetzen. Also Licht aus.

 

Ich komme erstaunlich gut ausm Bett. Dirk ist schon wach. Majo haben da schon mehr Schwierigkeiten, aber vollzählig verlassen wir das Hotel, Paddington, Liverpool Street (wo wir endlich auch frühstücken können, denn das Hotel bietet zu dieser Zeit selbstredend noch keinen Service), London, Stansted, Britannien…

 

In Deutschland knallt die Sonne vom Himmel. Wir müssen die Uhr eine Stunde vor stellen und, bevor wir eine Straße überqueren, wieder zuerst nach links gucken. Wir sind zurück.

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Heinz Eckner & Die Werder-Mannschaft 1973 – In Bremen, da lässt sich’s gut leben )

 

Epilog

 

Einige Tage später treffen wir uns bei den schrecklich Netten zum DVD gucken. Johann hatte alle Fotos gesammelt, die unsere Crew gemacht hatte, und zu einer seiner schon von anderen EC-Fahrten bekannten, famosen DVDs mit Musik zusammengestellt. Nach dem Genuss der selben (Well done, Johann! Hanx!) schmissen wir noch kurz „The Football Factory“ in den Schacht. Ursprünglich war mir schon vor der Abfahrt in den Sinn gekommen, anhand dieser DVD zu zeigen, wie in Chelsea Freundschaften und eher Gegenteiliges gepflegt werden, doch das war zeitlich nicht mehr gelungen.

 

Jetzt hatten wir Chelsea aktuell erlebt, nichts von dem, was der Film zeigt, wurde uns in London bestätigt. Im Gegenteil. Abgesehen davon, dass wir vor dem Einchecken in Stansted unsere Schuhe ausziehen mussten und sämtliche Flüssigkeiten zu entsorgen hatten, war uns in diesen paar Tagen alles freundlich gesinnt: Passanten, alle Chelsea-Hasser, die Bhoys und Ghirls des London No.1 Celtic Supporters Clubs, die Bobbys, sogar die Chelsea-Fans, denen wir begegnet waren. Vor dem Spiel hatten uns fast alle Leute viel Glück gewünscht, nach dem Spiel ernteten wir nicht etwa Spott, sondern Trost und vor allem Anerkennung für den permanent guten Support vor/während/nach dem Spiel, kurzum: das Echo, das uns entgegenschallte, war durchweg mehr als positiv.  

 

Daher war das Echo auf „The Football Factory“ auch eher verhalten positiv – nur Johann fand den Film offenbar voll daneben: „Taucht ja so gut wie kein Stadion drin auf, Fußball überhaupt nicht!“, was ja so auch nicht stimmt, immerhin spielen die „Jugendteams“ von Chelsea und Millwall gegen einander… ;o)

 

Tja, und Ihr fahrt jetzt noch nach Barcelona… Dann gilt es, die Chelsea-Tour zu toppen – und nicht nur was die zu verteilenden Punkte angeht!

 

(Der Küchenchef empfiehlt:  Oasis – Don’t Look Back in Anger)