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Ladies and Gentlemen: I´m proud to present you another ultimative story René "KK", the one and only, verfasste diesen Reisebericht über seine Tour zum Champions League Spiel FC Chelsea versus Werder Bremen. Ein weiteres Highlight auf unserer Vahraonen Webseite! Alles Neckermänner…! Prolog Ja, ich geb’s zu:
Neid trifft Euch, die Ihr alle in der Lage seid, Euch alle möglichen
Europacupspiele oder überhaupt noch regelmäßig Auswärtsspiele zu geben. Und
jedes Mal frage ich mich, wie Ihr das anstellt, so’n Haufen Urlaub – und den
vor allen Dingen auch noch kurzfristig, weil man ja heutzutage nie mehr im
Voraus sagen kann, wann welches Spiel denn nun stattfindet – und so’n Haufen
Kohle, der dabei drauf geht und dann auch noch ne Regierung zu Hause zu haben,
die bei all dem auch noch mitspielt, und dann schafft Ihr das ja auch trotzdem
noch, jedes Jahr den Super-Urlaub zu schießen, so sechs Wochen lang in der
Hochsaison die schönen Gs dieser Welt auskosten – Griechenland, Grönland,
Görlitz, Guantanamo, Großenkneten, Gosta Brava, was weiß ich… Hm, irgendwas
muss ich falsch machen. Bei mir reicht’s
also in der Regel nur für ein Spiel in der Champions League. Und dies auch nur
unter dickfälliger Missachtung aller harschen Proteste unserer familiären
Finanzsenatorin und unter der Maßgabe „Insel mach ich trotzdem, wer weiß, wann
wir da ma wieder hinkommen?“. Also schon mal die
Schichtplanung darauf vorbereitet, dass der vorliegende Schichtplan im Falle
einer günstigen Auslosung womöglich geändert werden müsse, was von dort mit
einem „Dann hast du ein Problem“ ersma pauschal ausgeschlossen wird. Notfalls
muss Désirée eben fahren! Und was lockt
nicht alles von der Insel: Liverpool (wenigstens einmal noch Anfield sehen!),
ManU (Old Trafford hat ja auch Art), Chelsea (Kalinkakalinka? Außerdem war ich
da schon…), Arsenal (ohne Highbury, das wir ja alle schon kennen, aber trotzdem
ganz nett), naja und der Hammer wäre natürlich Celtic (durch keine Fahrt zu
toppen!!!). Zur Auslosung kurz
und spontan zusammen mitm Nachbarn einen anderen Nachbarn überfallen, dessen
Begeisterung über unser Auftauchen scheint sich eher im südpolaren Bereich zu
bewegen. Egal, das ist der Preis des Erfolges, wenn man als einer der
Auserwählten Premiere hat. „Ah, läuft schon! Gut!“ Booooah, und wat ne scheiß
Veranstaltung: Erwartungsgemäß ööööööde und zum Kotzen elitär! Lauter
topgestylte Anti-Football-Maniacs labern eine Scheiße in geschätzen 49 Sprachen
– fehlt nur noch „L’Allemagne: dix points – Germany: ten points!“ Bah! Wat
waren die Zeiten nich schön, als Walter Baresel noch mit leicht zittrigen
Fingern die Papierschildchen „DSC Wanne-Eickel“ und „Werder Bremen“ in die
Kamera hielt! Gut, das war DFB-Pokal und nicht die Tschämpjens Lieg, und Walter
Baresel lebt ja nun auch leider schon lange nicht mehr. Dessen Job an Lostopf 3
macht ausgerechnet Barcelonas Deco.
Laaangweilich! „Pass auf! Der
sucht sich uns aus!“ - „Wieso darf der so
was überhaupt?“ – „Wenn jetzt
Lostopf 4 nich von unsam Schulle geleert wird, wird die UEFA kleinlich!“ - Deco greift zum
ersten Mal in die Schüssel: „Werder Bremen“ – „Oh-oh!“ – „Los! Alles was
Werder heißt jetzt in Gruppe F – zu ManU und Celtic!“ – „Bloß nicht in
Gruppe A zu Barça und Chelsea!“ – Weitere Loskugeln
klötern im Wok: „Und Werder kommt in Gruppeee… A.“ – „Ich hab’s
gewusst!“ – „Son Arsch!“ – „Baaarßa – schon
wieder! Und Tschäääälßie!“ – „Laaaangweilich!“
– „Blöder hätts nich
komm könn!“ – „Wieso darf der so
was überhaupt?!“ – „Scheiße! Schon
wieder nich Anfield oder Parkhead! Camp Nou? Nö. Stamford Bridge? Käichschon!
Na gut, müssn wa wohl hin! Nützt nix, müssen wa eem die Luschenvereine da raushaun!“
– „Jezz aber
wenigstens noch Kopenhagen…! Bloß nich Moskau oder so!“ – „Jouh, das fehlt
noch!“ - Sofia… Klar.
„Gewinne! Gewinne! Gewinne!“ – „Scheiß die Wand
an!“ Okay, etwas
euphorischer war’s dann doch: „Chelsea! Is gebongt! That’s a must!“ (Zur Untermalung dieses
Textes empfehle ich einen eigens dafür zusammen gestellten Soundtrack, wobei
Ihr Euch die Mucke schon selber besorgen müsst. Ihr wisst ja, die Rechtefrage…
Als Erstes empfiehlt der Küchenchef: The Clash mit „London Calling“) Nun beginnt die
schon eingespielte generalstabsmäßige Planung zu laufen: Johann nach Fliegern
anhauen, der hat Breidy schon wegen der Karten kontaktiert und Franky klemmt
sich ans Hotel. Mir hat Johann die Verbindung vom Flughafen Stansted nach
London aufgedrückt. „Such das ma raus! Und dann treechs das in feinsten Oxford
Englisch vor!“: „Hallo
Europacupfahrer, die
Flüge habe ich nun gebucht. London
Stansted – Hannover AB 8197 am 14.09.06 um 08:15 Gesamtpreis
154,00 € p.P. Dabei
sind: Maren,
Johann, Breidy, Dirk, Franky, KK, Laser, Inga Hausaufgabe für KK ;-) Der Flughafen Stansted liegt etwas außerhalb von London. An Bord des
Fliegers können wir die Tickets für den Stansted Express kaufen. Da wir morgens
um 08:15 (Nullachtfuffzehn, is klar!) zurück fliegen, ist nicht ganz
klar, ob der Express schon fährt. In diesem Fall müssen wir eines der
zahlreichen Busunternehmen benutzen. Prüfe doch bitte ob der Express schon um
knapp 06:00 Uhr fährt. Dann können wir die Tickets hin und rück bereits auf dem
Hinflug kaufen. Ansonsten kaufen wir
nur hin und müssen später Bustickets besorgen. An welcher Station müssen wir
raus wenn wir zum Hotel wollen. Welche U Bahn und wo gibt es dafür die
Fahrkarten. Das Ergebnis trägst Du im Zug nach Hannover in einwandfreiem
Oxford-English vor ;-) http://de.wikipedia.org/wiki/Stansted_Express Das Hotel: Best 27 hat
Franky gebucht. Deshalb wird er sich auch melden, wenn er Geld braucht. Die
Kosten belaufen sich auf ca. 130 EUR p.P. für drei Nächte wenn ich mich da
nicht völlig verhört habe J Das
Geld für die Flüge wird Montag abgebucht. Deshalb bitte ich Euch die
Überweisung so schnell wie möglich auf mein Konto vorzunehmen. …“ Oxford-English. Scherzkeks! Nachdem das mit den freien Tagen nach viel Gewürge doch noch klappt und
die Tickets auch fest sind – zudem Birgit von der Notwendigkeit dieser Fahrt
(nicht wirklich) überzeugt werden kann („Hrmm! Und bring nich wieder
irgendwelchen Scheiß mit! Kost alles Geld!“), steht dem Inselüberfall nix mehr
im Weg… Die Johann’schen Hausaufgaben gemacht, nochma schnell „The Football
Factory“ gekuckt (Vorbereitung ist alles!) und mit der Page von den „Chelsea
Headhunters“ verglichen. Hm, nicht wirklich sympathische Leute. Offenbar übles
Faschopack – so mit SS-Totenköpfen im Logo und so. Dass die Celtic nich mögen,
hab ich ja nun vorher schon gewusst… Ich sach denn schoma schüs! (Der Küchenchef empfiehlt: Was hat man nich
alles für schwer wiegende Entscheidungen zu treffen vor soner Tour: Bw-Rucksack
oder Sporttasche? Lieber nochn paar Pfund besorgen, auch wenns drüben billiger
is! Wo pack ich die Bierreserven rein? Handgepäck ischa wohl nich, schon gar
nich mit Flüssigkeiten, fliegen ja ausgerechnet an 9/11 – und denn noch nach
Huch-schützt-euch-vor-Terroristen-London! Ganz großes Kino! Da heißt es frische
Unterhose anziehen, bevor die dich da filzen wie Hulle und dich blank ziehen
lassen. Yeeehieee! Und überhaupt: Wer zum Henker ist „Laser“? Schnell noch
würdevoll im Garten die Werderflagge gehisst, die Sporttasche über die Schulter
geschmissen und mit einem „Ich sach denn schoma schüs“ die Family
zusammengetrommelt. Gut, Sandie is gar nicht da, Désirée kommt runter und
wünscht Zähne knirschend „Viel-Schbas-denn-auch!“ Doch, ja, sie würde gerne
mitkommen. „Aber wenn Ihr in Hannoi ankommt, müsst Ihr wenigstens ordentlich
>Scheißhannover! Scheißhannover!< brüllen! Ich
will das hier hören können! Und zu dem Donut-Laden links vom Piccadilly Circus
musst Du gehen! Ders total geil!“ Birgit besorgt dann noch schnell die Sterlings und bringt mich dankenswerterweise zum Hbf. Wo ist Und überhaupt: Wer
zum Henker ist „Laser“? Halb drei
nachmittags. In der Bahnhofshalle gleich ersma Johann getroffen, der allein
neben zwei Reisetaschen einen suchenden Blick Richtung Maren schickt, die sich
wohl gerade was zu essen holt. „Jouh, und ich
häng hier bei den Taschen. Kanns ja nich alleine stehen lassen.“ – „Nee, und
heute schon ma gar nich!“ – „Hör bloß auf mit
9/11!“ Maren is wieder da
und auch Breidy schmeißt seine Tasche auf den Boden. Vereinzelte andere
Werderaner schieben sich durch die Halle. Sind wir also nicht alleine aufm Weg. „Fehlen nur noch die schrecklich Netten!“ – „Wer weiß, wann
die aufstehen!?“ – „Können ja
schlecht mitm Zuch inne Prager Straße fahren!“ – „Jahaha, die Story
hab ich auch schon ma gehört! Aber Franky wollt ne Kiste Bex mitbringen!“ – „Gute Aktion!“ - „Naja, übersehen kann
man sie ja nicht mit ihren quietschgrünen Klamotten!“ – „Schjuldigunk!
Kjennen Sie chelfen, Farrkarrte chollen bite?“, wird Johann von einer beleibten
Osteuropäerin gleich in Beschlag genommen. „Häh! Nee, arbeite nich hier! Hrmm! Na
gut, wie viele Leute? Da drücken und da und jetzt das Geld da oben rein und
fertig! Mann!!! Habbich ne rote Mütze auf oder was?“ - „Halloooo!
Hallooo!“ – „Kommt ihrdn auf
Mal her? Und gar nicht in Quietschgrün?“ – „Aber dafür ist
das Bier eiskalt.“ – „Aaah, das nenne
ich doch Stil! Kann losgehen!“ – „Is Laser schon
hier?“ – „Nee, dachten der
kommt mit euch!“ - „Zwiebelmettbrötchen
wär jetzt nett! Schön mit Werder-W aufa Tüde nach Hannover. Das hat Art!“ – „Ja, wir ham auch
noch Hunger!“ Kurz, alles strömt
kurz auseinander. Viel Zeit bleibt ja nich mehr. Aufm Rückweg zur Gruppe seh
ich son Typen, grünes Shirt, Pilotenbrille, Bartversuch, aufm Weg zu Gleis 11.
Kenn ich irgendwoher, Brommy oder so. Zehn Sekunden später läuft mir Frank
übern Weg. „Wo willst dudn hin? Gleis 11?“ – „Nee, Inga wollt
sich hier noch was holen! Hast du Laser gesehen?“ – „Nee, kenn ich
aber auch nich!“ – Noch drei Minuten.
„Dann ist der wohl oben aufm Bahnsteig.“ – „Oder noch zu
Hause…“ – „Handy…?“ – „Hat der nich!“ – „Wenn ich wüsste,
wer das is! Hab da eben son Typen gesehen, der lief aber kurz vor dir her,
müssessu auch gesehen haben, so größer, Brille, Kugelbauch, Bart, Richtung
Gleis 11.“ – „Das könnter sein,
aber nee, Gleis 11? Nee, der weiß doch, dass wir gleich los müssen. Ders
bestimmt schon oben.“ - Nee, kein Laser
aufm Bahnsteig. „Egal, ersma rein inn Zuch! Vielleicht isser ja auch schon
drin?“ – „Hier – im
Obergeschoss is doch schön viel Platz!“
– „Tja, Scheiße,
Laser! Zuch fährt!“ – Naja, nach einigem
Hin- und Hertelefonieren ist klar: Laser kommt nach, war zwar am Hbf, „hatte
uns aber nicht gefunden“… (Der Küchenchef empfiehlt:
New Model Army - Vagabonds) Oxford-English-Presentation
gibs natürlich nicht. Frankys gut gekühltes Gepäck will ja erleichtert werden.
Außerdem wissen ja eh alle, dass Leisereiter Johann alles im Griff hat… In Hannover,
der Möchtegernhauptstadt des Nordwestens (¡No pasaran! Bremen bleibt frei!)
angekommen, gleich die S-Bahn zum Flughafen genommen. In Langenhagen steigt
noch Dirk hinzu (der grünweiße Leuchtturm in einem traurigen Meer
lauenburgischer Fußballahnungslosigkeit in Schwarzweißblau). Soweit komplett!
Bis auf… aber das hatten wir ja schon. Nachm Einchecken
(und der schweren Entscheidung alle Bierreserven in der Sporttasche zu
belassen) läuft plötzlich Laser durch das Flughafenabfertigungsgebäude. Jouh, is mitm
Schnellzuch hinterher. Kost so um 40 Ocken extra, aber nützt ja nix! Mühe
allein genügt nicht! Alles klar! Auf zum Burger fassen! Unsere
Ich-brauch-mich-nirgendwo-anzustellen-weil-Django-hat-Silver-Card-Reiseprofis
Inga und Franky hatten Kenntnis von dem
Burgerbräter schlechthin, wie sie sagten: „Da müssen wir uuuunbedingt hin!“
Und wo is der Burger? Vor allen Dingen
deshalb ne gute Idee, weil bei der deliziösen britischen Küche ja nun auch so
gar nicht damit zu rechnen ist, womöglich auf etwas Anderes als auf die
dortigen Spezialitäten zurück zu greifen – sprich: die nächsten Tage
ausschließlich von Burgern zu leben.
Da isser, der Burger
(Bildmitte vorne – ach ja, und exakt dahinter is der andere, der Laser!)! Und - hui! -
geht’s in die Luft und zack! – macht jemand draußen überm Kanal das Licht aus.
So landen wir also in der Dämmerung auf dem Dorflugplatz Stansted.
Dorfflugplatz? Nicht wirklich. Ham da n ganz schön ordentliches Teil in die
englische Pampa hingestellt, die Briten! So’n büschen Futurama für Arme,
kommste an, dann per Rohrpost zu den Terminals und auf mal siehste jede Menge
Leute, die auch gerade erst angekommen sind. Nach geschätzten
150 km durchs Flughafengebäude stehen wir plötzlich an der frischen Luft. Nun
noch ein paar Gänge runterschlängeln und wir stehen vorm Stansted Express.
Ääh, wie lange sind wir
jetzt unterwegs? Schicke Zuchfahrt!
Lagerhallen ohne Ende. Aber schließlich kommt eine Skyline in Sicht, die jener in
Frankfurt nicht unähnlich zu sein scheint: Wir sind da – London! Und da der
Zielbahnhof London Liverpool Street. (Der
Küchenchef empfiehlt: Jetzt wird’s
spannend: Wie zieh ich vernünftig die günstigsten Tickets für den Londoner
ÖPNV? Die ersten Automaten nehmen nur Münzen an, aber wer hat schon Klimpergeld
in der Tasche? Franky hat zwar jede Menge Pfund bei, aber mit Aufdruck „Bank of
Scotland“ isses in England auch nicht so der Hit. Will da kaum jemand sehen und
die Automaten nehmen seine Scheine auch nicht an. Nachdem einige
sich Coins besorgt haben, Johann seine nur deshalb kricht, indem er sich beim
Würgerking ne Cola zieht, zeigt Breidy ersma allen, wie’s auch mit Scheinen
geht. Bupps, ham wir alle unsere Tickets für die Tube. Also ab mit der Circle
zur Paddington Station. Jouh, a sort of homecoming, würd ich sagen! Genau so schmuddelig und sympathisch wie
letzma (Siehe England vs Deutschland 0:1, 07.10.2000). Und auch unser Pub is
noch da. Sehr gut, zapf schoma, wir sind gleich wieder da!
Auch wenn’s schwerfällt.
Den Pub lassen wir ersma links liegen. Ersma einchecken!
Was gar nich so einfach zu sein scheint. Vor allem deshalb nicht, weil die
Mädels an der Rezeption offenbar noch weniger Englisch können als wir. Jouh!
Magda (vermutlich aus Polen oder so) will uns erzählen, dass die Zimmerbuchung
angeblich erst heute reingekommen sei, dabei hat Mister Pieters quasi schon
Weihnachten alles klar gemacht. Synchronisiert: „Okay,
jetzt haben wir ein Problem! Wir haben nicht genug Zweibettzimmer zur
Verfügung. Zwei von Ihnen müssen sich für diese Nacht ein Vierbettzimmer teilen.
Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, suchen wir für Sie morgen ein
adäquates Zimmer.“ – „Na gut, bis morgen wird’s schon gehen!“ Breidy is eh alles
Recht, so lange er nicht mit mir auf eine Bude muss. Pffh! So’n Mädchen! Nu
zieht er halt mit Laser zusammen. Dirk und ich nehmen die Viermannhalle, und
die Pärchen bleiben eh zusammen. Jezz ersma das Bier in den Kühlschrank und
dann waschen. Selten ham wa so nach Bahnhof gestunken wie heute… Zimmer 405. Für
Londoner Verhältnisse ganz ordentlich. Da waren wir vom Julius Caesar Hotel
Schlimmeres gewohnt. Gut, kein Kühlschrank! Fuck! Bleibt’s also bei lauwarmer
Cervisia. Immerhin ist alles unbeschadet angekommen. Aber ein passables Bad und
ne Aussicht über die Dächer von Bayswater. Hätt uns schlimmer treffen können!
Ich glaub, hier bleiben wir. Aber auf jeden
Fall! Die anderen erzählen die ganz großen Horrorgeschichten über ihre Hütten.
Kellerräume und Schlimmeres. Dirk und ich pfeifen diskret ein Liedchen, um
nicht in den Klagechor einstimmen zu müssen. Our home is our castle… Also, Sprung auf!
Im „Pride of Paddington“ hat man sich vermutlich schon totgezapft für uns. Naja
nicht wirklich… Last order war schon. Aus die Maus! Wie, last order? Denk, die Sperrstunde ist gefallen!? Isse auch,
aber die licences regeln alles wie gehabt. Es wird unterschieden in
Wochenend-Lizenzen und Lizenzen für jeden Tag. Nun sind Letztere offenbar so
teuer für die Wirte, dass kaum was für sie übrig bleibt, also holt sich jeder
eine Wochenend-Lizenz und alles ist wie zuvor: 23 Uhr und in London ist
ungefähr so viel los wie in Kirchtimke! Nach den dummen Gesichtern machen wir
uns also auf die Strümpfe nach kaltem Bier, das du dir in den zahlreichen Shops
umme Ecke immerhin noch holen kannst, so lange es in diskreten Papiertüten
versteckt werden kann. Also ab auf die Bude. Da unsere zur rauchfreien Zone
erklärt wird, trifft sich alles im Palast von Familie Laserbreidy. Hatten vorher ob
des fehlenden Kühlschranks noch leise Zweifel an unserem Zimmer bestanden, so
wird uns jetzt klar, dass wir unsere Fürsten-Suite nicht mehr hergeben würden:
Urgemütlich! Nurn büschn
waam! Also dauert’s
nicht lang, bis die Vahraonen Einszweidrei, Oberkörper frei machen, oder
zumindest das offene Hemd den Blick auf den runden Stolz eines Familienvaters
frei gibt. Obwohl nur ein Minifenster geöffnet werden kann, wollen die Mädels
partout nicht für Marscherleichterung sorgen. Pah, dann schwitzt halt! So ist
dann auch bald Zapfenstreich. Morgen zählt’s! (Der Küchenchef empfiehlt:
Blur – Song 2) Nacht war in
Ordnung. Dirk hat nicht geschnarcht. Ihm geht’s – glaub ich – auch ganz gut.
Dienstplan für heute: Einnahme eines britannischen Frühstücks, Piccadilly, Pub,
Spiel, Pub, Castle Laserbreidy (oder woanders), Koma. Anzug: Anzug, Sommer-,
leicht. Abmarsch: sofort nach Parole, spätestens 1000z. Frühstück in
Ordnung. Englisch, eben! Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich mag’s! Toast, scrambled eggs, beans & bacon, sausages, tea and orange
juice. Dreimal
ans Buffet, Hauptsache, satt! Bestellung für alle auf Four-o-five, Mr Fränk
Pieters… Parole draußen:
Auf Schatz & Schatz warten. Und warten. Und warten. Da findet wer seine
Kontaktlinsen nich, oder die nich den Weg inne Augen, wie auch immer. Ich
beginne schon wieder Hunger zu kriegen… Tagesticket
gezogen, mit der Bakerloo von Paddington zum Piccadilly Circus. Breidy macht
den Warner: „Lasst den Dicken bloß nicht in einen CD-Laden reingehen, der kommt
da nie wieder raus! Lezzma auch, kommter ganz stolz mit som Pack Fußball-CDs
unterm Arm wieder raus, so kuck ma, irgendwelche Vereinslieder von
was-weiß-ich-Downtown-United oder so. Kennt kein Schwein! Hat aber auch nur
knapp vier Stunden gedauert, echt!“
(Der Küchenchef empfiehlt:
Carl Douglas – Kung Fu Fighting) Piccadilly. Nicht
viel los. Aber den Peiner Stefan, den wir kurz vor unserem Hotel mit seinem
Kumpel aufgelesen haben, weiß wo um diese Zeit schon ein Pub auf hat. Gegenüber
von China Town, mitten im West End. Da waren die gestern schon versackt. Klingt
gut! Hat aber noch zu. Nach verstörtem Kratzen an der Tür, geht dieselbe einen Spalt weit auf. „Open at 12!“ Hm! Und nu?
Eimer um Pudding, China Town machen.
Wo ist Ming Lee Foo?
Da!
Hmmh… Jammjamm! Ja, nee, is
klar! Kurz nach 12:
Brave Gäste! Pub hat noch nichtig auf und wird schon geentert. Wär ich Wirt,
auf uns wär ich stolz!
O’Neill’s Parkuhr: Brem is
da! Immer wieder
stratzen Werder-Fans vorbei. Der eine oder die andere halten auch die Nase
rein, andere gehen vorbei, alles Neckermänner! (Der
Küchenchef empfiehlt: The Business – Guinness Boys) Gambos und
Hoschies fallen aber mehr und mehr ins O’Neill’s ein. Julia aus Nichtengland
bringt das Bier. „Nee, Guinness
mach ich nich! Das, was die da hinten da haben, sieht doch aus wie Bier… Ääh,
sis bier da, ei wont sis…“ - „Du musst please
sagen…“ – „Ääh, plies!“ “Aah, you mean Carling? Or Foster’s?” – “Fosters! Fosters!
Das kenn ich wenigstens!” Julia ab. „Korling? Neenee,
kennichnich!“ – „Celtics
Werbepartner. Und das heißt Carling.“ – „Kennich trotzdem
nich! Nee, dann lieber n Fosters…“ Julia will gerade
abladen, als irgendwer hinten was von Beck’s erzählt. Johann ganz hektisch:
„Beck’s? You have Beck’s?! Und ich bestell Fosters!!! Beck’s. Plies!“ Bex kommt. In
kindgerechten 0,275 l-Flaschen… Mehr is wohl zu hart für England…
Fiddel nach zwölf in
London: You’re fit but you know it! Fery nippt schwer
begeistert an seinem Carling: „Booah, das schmeckt wie Klo riecht! Hälts nich
aus! Riech mal!“ - Die Bang Gang hält
alle Nasen in sein Pint: „Puuh!“ – „Bääh!“ „Lllll!“ – „Stimmt! Muss noch
seit gestern in der Leitung sein. Das erste Gezapfte heute!“- „Genau so riecht
das!“ – „Aber Hut ab!
Jetzt, wo’s fast alle is, merxas ers?“ Okay, Ferys erstes
Bier ging dann aufs Haus... „Lass ma was
essen!“ Und das kommt nicht von mir! Überraschung: Es gibt Burger!!!
Hiiiineiiiiin!!! (Der
Küchenchef empfiehlt: C.I.A. – The
Fields Of Athenry) Längst ist die
Meute auf Robert aufmerksam geworden, der draußen vorbei wankt und seine roten
Augen jeweils hinter geschätzten zwei Litern Pipi (pro Auge) durch London
schleppt. Nachdem auch er uns entdeckt, schwankt der Hoschie in den Pub.
„Hoschie? Bin kein Hoschie!! Binn Honk!!!“ – „Nee, du bissn Gambo!“
– „Nee, aber weißu
wovon ich träum?“ – „??“ – „Mein ganzer Club,
alles Werder-Honks, steigt so ausm Zuch: Honks! Honks!! Honks!!! HONKS!!!!
HONKS!!!!!“ – „Honks??“ – „Das wär
ssoooooooooo geil, Alder! Honks! HONKS! HONKS!!!“ – „Jouh, Honks! Honks! Honks! Hahaha!!” - “Und du bist der
Obergambo von den Honks!“ – „Obergambo?“ – „Jouh, zwölf
Hoschies von den Honks machen einen Gambo!“ – „Alles
Neckermänner!“ –
„Honks! Honks!! HONKS!!!“ Zeit vergeht!
Gerüchten zufolge trifft sich alles, was grünweiß ist, am Trafalgar Square.
Auch hin oder lieber noch n paar Bier lenzen?
Näh! Ich geh nicht zum
Trafalgar! Da sind doch nur Neckermänner! Johann, nech! Kaum
vom Bund weg, ist ihm jeder Weg zu weit! Will mitm Taxi zum Trafalgar Square
fahren: „Laufen? Bist du bescheuert? Das voll weit weg!“ – „Quatsch! Das hier
ganz in der Nähe! Hier rechts bis Piccadilly, dann links und dann bischon fast
da!“ – „Kenns das Spiel
„Scotland Yard“? Da ist das voll weit weg!“ – „Aber hiers das
gleich umme Ecke!“ – „Wa, schon da?“ Schon erstaunlich,
wie „beliebt“ Chelsea in London so ist. Ich weiß nicht, wie viele Londoner uns
alles Gute gewünscht haben gegen die Blues. Okay, waren etliche Gunners dabei,
auch n paar Hammers und sogar ein Tim im Scotland-T-Shirt. So Smalltalk inner
Tube, er so im breitesten schottischen Akzent, ach ihr seid aus Bremen, ja wird
schwer aber ich glaub an euch, Chelsea mag hier eh keiner, die reden nur
Scheiße, genauso wie die Scheiß Rangers, naja sehen ja auch genauso Scheiße
aus, ihr seid ja wenigstens grünweiß… Da kricht man doch gute Laune!
Stimmt schon, das mit den
Neckermännern irgendwie! Kennz ja keine Sau von! An bekannten
Gesichtern nur Seppo und n paar andere Psychos getroffen, später noch Tom
Berlin, noch das eine oder andere kurze Hallo, aber sonst? Nur Neckermänner!
Und schwer zu schätzen, wie viele. Verteilt sich aufm Trafalgar ganz schön. Umme
tausend würd ich sagen. Weiß aunich,
jedenfalls hab ich gleich ne Kanne Heineken im Arm, aus Essener Beständen. Dabei
steh ich ja mehr so auf die K-Town-Connection…
Echt! Nur Neckermänner!
Hier noch so welche… Zwischendrin
normale Touris. Was die wohl zu Hause bei der Fotoshow erzählt haben?
變化形 * spricht man biànhuàxíng So, genug
rumgehangen! Von irgendwoher kommt das Startsignal und schon setzt sich die
ganze Meute in Bewegung. Natürlich nicht ohne Singsang. Jetzt wird’s zum ersten
Mal auf dieser Tour so richtig imposant, aber so richtig! Vielleicht
zweitausend Grünweiße sorgen feiernd dafür, dass zwischen Trafalgar Square und
Piccadilly Circus das arbeitende London in den Bürofenstern hängt. (Der Küchenchef
empfiehlt: Rubbermaids & Gegengerade
Allstars – You’ll Never Walk Alone!) Massenhaft
Deutsche marschieren singend durch das Herz von London! Vor 65 Jahren wäre das
noch eine Horrorvorstellung für die Briten und für alle Antifaschisten dieser
Welt gewesen. Aber statt „Lili Marleen“ und „O du wunderschöner Wehehesterwald“ trällern die
heutigen Invaders fröhlich „1899 – das ist unser
SVW…“, „You’ll never walk alone“, „Voran, SV Werder
Bremen! …“ Da wird ne ordentliche Humba gemacht und wer’s immer noch
nicht gerallt hat, krichts direkt in die Ohren gepresst: „Hier regiert der SVW!“ Passt auch besser, ist auch
schöner!
Hurra! Hurra! Die Bremer,
die sind da! London reagiert
gelassen: Kein Autofahrer hupt, keiner zeigt irgendwelche Finger oder zeigt
sich belästigt oder gar verärgert. Auch die Staatsmacht gibt sich cool und
freut sich sogar mit. Das Beste bringen aber irgendwelche japanischen (?)
Jungmädels, die die ganze Szene natürlich fotografieren, aber dabei versuchen
unsere Lieder, deren Melodien ihnen offenbar bekannt sind, mitzusingen – mit
welchem Text auch immer! Spaß und gute Laune auf allen Seiten!
Mob entlang Piccadilly Wie cool die Londoner
Bullen mit so einem Mob umgehen, zeigt die folgende Szene: Irgendwie ist
unklar, ob wir den ganzen Weg bis nach Chelsea jetzt laufen würden oder doch
irgendwie anders dorthin kommen würden. Zu Fuß? Ganz schön weit, mit den Tubes
immerhin acht Stationen bis Fulham Broadway! Die Cops lösen das Problem für uns
– sie schieben den ganzen Mob am Piccadilly Circus in die U-Bahn-Station. (Der Küchenchef
empfiehlt: The Jam – Going Underground)
Going underground Gut Dreiviertel
der Meute verschwindet in der U-Bahn, der Rest fragt sich was zu tun ist und
teilt sich auf in Leute, die auf den nächsten Zug warten und in die Crème de la
crème (also so Typen wie wir), die aus dem Untergrund wieder auftauchen. Clever
gemacht, Ruhe im Karton!
Und nu? Und so mancher
fühlt sich ja nu so gar nicht wohl:
Eingekeilt zwischen ihn
ignorierenden Vahraonen…
Vorsicht vor Opa Grimm (am
unteren Bildrand)! (Der
Küchenchef empfiehlt: The Pensioners –
Chelsea Blue Day) Also los! Chelsea
will geschlagen werden! Auf zur Stamford Bridge! Mit der District bis Fulham
Broadway, dort stolpert man natürlich gleich wieder über die üblichen
Verdächtigen…
Was is los?! Den ganzen
Stoff hinterm Rücken oder was??!
Hierbleiben, Bulle!
Erlebnisorientiert
Und jetzt alleeee: A.C.A.B… Genau, und letztes Mal stand dann hier die ganz
alte Burg…
Stamford Bridge auf einer
Ansichtskarte 1987, aufgenommen aus „The Shed“
Definitiv keine Neckermänner…
The Shed in den 70-ern (Quelle http://cimelidiguerra.tifonet.it/shed1.jpg) Da war mal richtig was los… Ööh nee, das sah
aber früher anders aus… Wosn das Stadion hin?
Ach, da, das graue Ding da
rechts hinter der Laterne…
The Shed End,
Eingangsbereich Auch nicht
schlecht: Die alte Chelsea-Kurve „The Shed“ jetzt für den Away-Support! Müssen
wir jetzt Angst um unsere Ostkurve kriegen? Wenn das so weiter
geht:
Ich will ja auch gar keinen
alkohol verkaufen… und schon gar nicht entsprechend den bestimmungen der UEFA.
Natürlich gehört Werder auf
den ersten Rang! (Der
Küchenchef empfiehlt: Stiff Little
Fingers – Stand up and Shout)
The
Shed End 2006 – in Grünweiß!
Hat aber immer Spaß
gemacht!
Alles so modern hier… Aber
schöner Abendhimmel!
HIER REGIERT DER SVW!!!
Chelsea FC vs SV Werder
Bremen Zum Spiel schreib
ich – wie immer – nicht viel bis nichts, ist ja auch schon fast alles drüber
geschrieben worden. Nur so viel:
„Outsung by 3,000 Germans! …
They were magnificent!” (Kommentare aus Chelsea Foren)
Und der konnt’s auch nicht
verhindern! Die dahinter schon gar nicht, die Hoschies!
Best away support ever!
Best away support ever!
Worst away Coke ever!
Geeeebt mir ein Haaaaa!
Humbahumbahumbatäterääää!
Täterääää! Täterääää! Okay, auf Chelsea
hatte nun keiner mehr so richtig Nerv. Also zurück zur U-Bahn und zurück zum
Piccadilly, so lange noch irgendein Pub aufhat. Ja, klar, jetzt, „wenn der Tag
gelaufen ist“, da kommen Gesänge ausm Chelsea-Pub an der Fulham Road, jetzt!
Pffht! Wo wart ihr denn die letzten zwei Stunden, häh? „Sing
when you’re winning! You only sing when you’re winning…“ Luschen!
Ganz schön schräge Gegend:
Piccadilly tube at Earl’s Court (Der
Küchenchef empfiehlt: The Streets – Fit
But You know It) Ins O’Neill’s kommen wir nicht mehr rein, also
ersma ne Tasse am Piccadilly-Kreisel, der schon lange keiner mehr ist.
Das
reißts aber auch nich: Oh nein, und dann
kommen auch noch jede Menge Neckermänner längs…!
Neckermänner: Gleich 4 in a
row! Und jeder von denen machtn Foto von uns… Mannmannmann! Jetz reicht’s!
Zurück zum Hotel! Vorher noch zu unserer Tankstelle und ab auf Stube. Diesmal
kurz auf unsere, aber nicht lange. Die Hausherren machen bald Schicht, die
Harten düsen noch inne Hotelbar – bis kurz vorm Frühstück… Nee, morgen werden
Kilometer gerissen: Der Sightseeing-Tach steht an. Nach dieser Nacht
ist unser Rumlatsch-Haufen doch ziemlich dezimiert: Majo, Dirk und ich. Breidy
hat wie immer keinen Schmeck auf Sightseeing, der Rest ward eh nicht gesehen. Ersma mitm Bus zur
Tower Bridge. Gestern noch in China, heute im Libanesen-Viertel. Psst! Scheiße!
Nu isses doch raus, meine kleinen Nebeneinkünfte:
Is aber noch viel zu früh!
Hab noch nich auf! Auch für Maren.
Nickt doch glatt weg im Bus! Wir passieren Marble Arch, Trafalgar Square, Fleet
Street, St. Paul’s Cathedral und fallen am Tower Hill ausm Bus. Am Tower vorbei
zur Brücke. Jezz aba ma n schönes Touri-Fodo von uns. Nette Japanerin kricht
gleich den entsprechenden Auftrag: „Three, two, one, cheeeeeeese!“
Gleich danach wurde die
Fotowand hinter uns weggestellt und durch eine mit ägyptischen Pyramiden
ersetzt, aber das schien uns dann doch etwas dick aufgetragen… Underground und
rote Busse hamwa schon genutzt. Geflogen sind wir auch. Schiff fehlt noch!
Gesagt, getan! (Der
Küchenchef empfiehlt: Madness – Night Boat
To
Eine Themsefahrt ist
lustig, eine Themsefahrt ist schöööön…
Bimbambümbum!
Bumbümbambemm! Jawoll, uns ist
auch kein Touri-Gag zu feist! Mitten im Zentrum der britischen Macht, zwischen
den Houses of Parliament und 10 Downing Street bekennt sich Johann zu den Roten
Zellen:
I
just call to say I’m Gambo! Und es soll noch
feister werden: Nachdem wir eine chinesische Demo mit viel Tschingderassabumm
gegenüber Downing Street bewundern, wollen einige unbedingt noch kuckn, wo die
Goldoma wohnt: Zum Fuckingham Palace. Das hatte mir gerade noch noch gefehlt!
Alle wohlfeilen Argumente und Verweise auf die Unterdrückung des irischen
Volkes durch die Krone und auch alle Proteste („So, jetzt waren wir aber nahe
genuch dran! Jezz könnwa da ma lang!“) helfen nix: Majo wollen unbedingt mal am
Zaun rütteln oder so. Grummelgrummelsoeinkack! „So! Da isser!
Jazz könnwa aber gehen!“ – „Ich hab die
Wachen noch gar nicht gesehen…“ – Super! Hurra.
Is ja gar nix zu
erkennen! Wozu
hat die Kamera einen Zoom? Zurück zum
Wesentlichen! Ich hatte ja noch einen Auftrag:
Wie war das noch? Désirée
sagte, links vom P-Circus sei der geilste Donut-Laden wo gibt: „Da musst du
unbedingt hin!“ – Naja, warum nicht? Gibt ja was zu essen, da… Carnaby Street
sollte man eigentlich auch gesehen haben, sach ich noch so zu meinen fröhlichen
Mitstreitern. Subkultur, verbotene T-Shirts, ein bisschen getollshocktes
Restfeeling vom Swinging London der 60-er, ein bisschen Punk der 70-er und alles
unter dem Motto „Mind the gap!“ – Scheiße! Alles vorbei! Nix mit! Nur noch
Schickimickiläden, die du so aber auch in jeder anderen Großstadt finden
kannst! Einzig ein Fußball-Trikot-Laden vermag uns noch in seinen Bann zu
ziehen! Kurz überlegt, ob ich mir nicht ein neues oder noch besser neues
„altes“ Celtic-Trikot zulegen sollte, aber angesichts des Preises dann doch
darauf verzichtet. Das will Johann gleich Birgit gegenüber lobend erwähnen, so
KK hat Celtic-Klamotten in der Hand gehabt und doch nix gekauft. Hahhah! Inzwischen wird
uns klar, wo wir den heutigen Abschlussabend verbringen werden: Im Cock Tavern,
dem Club-Pub des London No.1 Celtic Supporters Club. Dessen Adresse hatte ich
mir vor der Fahrt vorsorglich schon mal aus dem Net gezogen. Und Euston ist ja
auch nicht so weit weg. Das is also schon mal geritzt! (Der
Küchenchef empfiehlt: The Beatles – Come
Together) Vorher aber noch
ein echtes Highlight! Wir machen den Abbey-Road-Zebrastreifen, den wohl
berühmtesten Zebrastreifen der Welt! Aber wo ist der auf dieser verdammten
Abbey Road? Nicht, dass wir uns den falschen Zebrastreifen angucken… Also
erstmal bis ans Ende der Abbey Road gefahren. Bis dahin zählen wir drei
entsprechende Fußgängerüberwege. Natürlich war es gleich der erste, den wir vom
Bus aus gesehen hatten, also latschen wir den ganzen Weg zurück. Nett, auch mal
ne normale Wohngegend zu sehen – nicht immer nur Hotels, Büros, öffentliche
Gebäude, Kaufhäuser oder Massensehenswürdigkeiten!
Auf den Spuren der Beatles
Gar nicht so einfach!
Nahezu perfekt und dann kommt ein Buggy des Wegs! Scheiß die Wand an!!! Jetzt aber:
Perfekt!
Original und Fälschung:
Unser Fotograf hat auf dem rechten Bild zehn Fehler versteckt. Finden Sie sie
heraus? Nachdem wir auch
noch die Abbey Road Studios entdecken, wird es nach einem weiteren Schlenker in
die Stadt langsam auch wieder Zeit, ins Hotel zurückzukehren. Immerhin haben
wir noch einen Termin. Endlich nehmen wir einen Schluck im Pride of Paddington.
Von dort aus melden wir uns telefonisch in der Cock Tavern an, immerhin spielt
heute Celtic bei ManU in der CL. Die Bude verspricht voll zu werden. (Der
Küchenchef empfiehlt: Charlie & The Bhoys – Over and Over & Hail Hail) Von außen ein ziemlich
unscheinbares Ding, auch innen eher schmucklos, aber ein schöner großer
Clubraum – eine ideale Fußballkneipe eben. Breitwandbildschirm überm Tresen und
rechts ein Bigscreen lassen eigentlich permanent den Blick auf das
Spielgeschehen zu. Jede Menge Hoops laufen bereits
herum, als wir eintreffen. Alle Altersklassen sind vertreten. Schon ziemlich
voll, der Pub. Als ich einen Opa frage, ob vielleicht an seinem Tisch noch
etwas frei wäre, räumt er sofort hilfsbereit das Feld. Johann bestellt zuerst. Wer
will 'n Orange Whip? [pointing] Orange Whip?
[pointing] Orange Whip? Drei
Orange Whip. [An Orange Whip is like an Nee, gibt dann
doch eher Guinness und Carling. „Orange“ würde in diesem Pub ja nun auch so gar
nicht gut ankommen! Und dann noch alkfrei – nee! Außerdem sind wir eh zu viert. Stimmung zu
Spielbeginn gleich ganz ordentlich. Auffällig ist, welchen Stellenwert eine
erzielte Ecke auf den Inseln hat: Immer wieder tosender Applaus braust auf,
noch mehr als wenn in Deutschland ein Eckball erkämpft wird. Naja, wir kennen
auch Werders Ecken… Hin und wieder
werden Fangesänge angestimmt („Hail! Hail! The Celts are here…“) und bei mir
werden allzu lebhafte Erinnerung an das Biddy Early’s in Stuttgart wach… Uns registriert
man kaum. Bis jetzt. Gut, farblich passen wir 4 in grün und weiß ja auch prima
hierher. Doch dann passierts und man bemerkt uns: Ca. alle 15 Minuten
übermittelt ein Laufband am unteren Bildschirmrand über die Zwischenstände der
anderen CL-Spiele – und was dürfen wir da lesen? Hamburg 0 Arsenal 1.
Riesenjubel an einem Vierertisch, was den Rest der Versammlung einigermaßen
irritiert. Arsenal-Fans im Celtic-Pub? Aber man hält sich nicht weiter mit
derartigen Gedanken auf, es gibt schließlich Wichtigeres: Celtic spielt. Und
das ganz gut: Erst 1:0 in Führung und kurz vor Halbzeitpfiff kann Nakamura mit
einem Wahnsinnsfreistoß die zwischenzeitliche Führung ManUs ausgleichen. In der Halbzeit
schaue ich mir den Laden mal genauer an und betrete den übervollen Clubraum.
Auch hier mehrere Bigscreens. Und als man mich entdeckt, erkennt man sofort,
dass wir diejenigen waren, die Chelsea gestern in Grund und Boden gesungen
haben. Jede Menge Lob und Anerkennung geerntet. Mit dem Hinweis, dass „meine
Leute“ draußen am Tisch sitzen, gehe ich dann wieder hinaus, zumal die zweite
Halbzeit beginnt. Nicht ohne vorher noch zuhören, dass wir nachher ruhig
reinkommen sollen. Majo und Dirk
haben so langsam einen Devilshunger! „Hmm, lass mal nachm Spiel noch irgendwo
was essen gehen!“, meint Johann. Doch was zuletzt immer nur in später Nacht
über London hereingebrochen war, tritt jetzt ein: Es beginnt zu regnen – und
zwar heftigst! Damit rückt der Italiener wieder in etwas weitere Ferne. Plötzlich tritt
die Bedienung an unseren Tisch und reicht uns einen Teller mit ein paar Käse-Sandwiches.
Prima Service des Hauses – natürlich nicht extra für uns, klar! Damit ist der
erste Hunger erstmal gestillt. ManU gewinnt doch
noch 3:2. Ärger aber Anerkennung für die Mannschaft von Gordon Strachan, gegen
den Werder ja noch im UEFA-Cup spielte, als die unvergesslichen Spiele gegen
Dundee United waren. Damit geht’s den Celts ähnlich wie uns – ganz ansehnlich
gespielt, aber unterm Strich bleibt nichts Zählbares hängen. Nochmal bremischer
Jubel, als klar ist, dass Scheiß-Hamburg noch einen kassiert hat. Geteiltes Leid ist
halbes Leid. So lässt sich zunächst zusammenfassen, was sich dann abspielt.
Vier Bremer betreten den Clubraum und gleich großes Hallo! Zeitweise darf ich
gegen vier Pints gleichzeitig antrinken. „Nix, ihr seid auf Urlaub, da müsst
ihr nix bezahlen!“ – Uff! Stress der angenehmen Art! Man freut sich
über die gleichen Vereinsfarben. Wir machen deutlich, dass unser Jubel weniger
mit Arsenals Sieg als mit Hamburgs Niederlage zu tun hat, was die Celts sehr
interessiert. Zufällig schnacke ich wohl gerade mit den richtigen Leuten, dem
jetzigen Präsi des London No.1 C.S.C., der mich gleich dem Gründer des Clubs
und ehemaligen Präsi (sofern ich alles richtig verstanden habe) vorstellt – ein
Mann in seinen Mittfuffzigern, der offenbar einen Mordsrespekt bei seinen
Mitgliedern genießt. Am meisten tausche ich mich mich mit John Shields, dem
Webmaster aus. Und immer wieder Guinness. Auch von anderen Celts. Nicht
einfach, selber mal einen auszugeben! Die Devils haben
wohl keinen Hunger mehr, jedenfalls klönen sie fröhlich am Tisch. Es wird viel
gejohlt und gelacht und erste irisch-republikanische Gesänge hallen durch den
Saal.
Man läuft sich warm – und
gleich geht’s erst richtig los. Ähnlich wie bei
uns leert sich der Laden recht schnell, so unter der Woche. Der prozentuelle
Anteil der anwesenden Bremer steigt rapide an. Ein harter Kern von knapp
zwanzig Leuten ist fortan nur noch am singen. All die ganzen Lieder, von denen
ich euch schon so oft vorgeschwärmt habe. Und – logisch – es kommt was kommen
muss: „Hey Bremen! Sing us a song!“ – „Yeaaaa!“ – (Der Küchenchef
empfiehlt: Werner Machowski mit seinen
lustigen Musikanten & SV Werder 1982 - Das Werder-Bremen-Lied (Wo die Weser
einen großen Bogen macht)) Okay – räusper! –
Wo die Weser einen großen Bogen macht, erfüllt den Celtic-Pub. Riesen-Applaus
und noch mehr Bier! Es werden Celtic-Lieder gesungen bis zum Abwinken. Dass mir
die meisten Texte nicht ganz unbekannt sind, fällt auch vereinzelten Leuten
auf, denen ich gleich erzählen darf, warum das so ist. Je mehr Bier fließt,
desto hemmungsloser spricht man mit uns auch auf Deutsch! „Wie sagen Sie
>Cheers<“? – „Prost!“ – „Aaaah, Proooust!!!“ – Es wird geprostet und
gesláintscht was das Zeug hält. Irgendwann geh ich abschlagen und hör so, wie
im Clubraum „Shhht!“ gemacht wird. Noch bevor ich zurückkehren kann, beginnt eine
einsame Stimme – ich glaube, der Präsi - zu singen: „Sinne Fianna Fáil
(Der Küchenchef
empfiehlt: Eire Og – Amhrán na bhFiann) Andächtig und
feierlich hört die Menge zu und unter großem Applaus wird dem Sänger gedankt,
denn dies ist die irische Nationalhymne. Falls es interessiert - Hier die deutsche Übersetzung von Amhrán na bhFiann
(Ein Soldatenlied): Wir sind Soldaten, unser Leben gehört Irland; So geht es weiter
bis kurz nach zwei! Schließlich verabschieden sich auch die letzten
Celtic-Freunde von uns und uns wird ein Taxi bestellt. Dieses Verkehrsmittel
fehlte uns ja auch noch. Große Enttäuschung bei Maren, als sich herausstellt,
dass es kein klassisches London Cab ist, sondern ein „etwas billigeres Taxi“. Und nu? Der Wecker
wird um viertel vor Vier klingeln, so viel ist klar. Nu isses halb Drei.
Schlafen oder durchmachen? Johann plädiert für Schlafen und kann sich
durchsetzen. Also Licht aus. Ich komme
erstaunlich gut ausm Bett. Dirk ist schon wach. Majo haben da schon mehr
Schwierigkeiten, aber vollzählig verlassen wir das Hotel, Paddington, Liverpool
Street (wo wir endlich auch frühstücken können, denn das Hotel bietet zu dieser
Zeit selbstredend noch keinen Service), London, Stansted, Britannien… In Deutschland
knallt die Sonne vom Himmel. Wir müssen die Uhr eine Stunde vor stellen und,
bevor wir eine Straße überqueren, wieder zuerst nach links gucken. Wir sind
zurück. (Der Küchenchef
empfiehlt: Heinz Eckner & Die Werder-Mannschaft
1973 – In Bremen, da lässt sich’s gut leben ) Epilog Einige Tage später
treffen wir uns bei den schrecklich Netten zum DVD gucken. Johann hatte alle
Fotos gesammelt, die unsere Crew gemacht hatte, und zu einer seiner schon von
anderen EC-Fahrten bekannten, famosen DVDs mit Musik zusammengestellt. Nach dem
Genuss der selben (Well done, Johann! Hanx!) schmissen
wir noch kurz „The Football Factory“ in den Schacht. Ursprünglich war mir schon
vor der Abfahrt in den Sinn gekommen, anhand dieser DVD zu zeigen, wie in Chelsea
Freundschaften und eher Gegenteiliges gepflegt werden, doch das war zeitlich
nicht mehr gelungen. Jetzt hatten wir
Chelsea aktuell erlebt, nichts von dem, was der Film zeigt, wurde uns in London
bestätigt. Im Gegenteil. Abgesehen davon, dass wir vor dem Einchecken in
Stansted unsere Schuhe ausziehen mussten und sämtliche Flüssigkeiten zu
entsorgen hatten, war uns in diesen paar Tagen alles freundlich gesinnt:
Passanten, alle Chelsea-Hasser, die Bhoys und Ghirls des London No.1 Celtic
Supporters Clubs, die Bobbys, sogar die Chelsea-Fans, denen wir begegnet waren.
Vor dem Spiel hatten uns fast alle Leute viel Glück gewünscht, nach dem Spiel
ernteten wir nicht etwa Spott, sondern Trost und vor allem Anerkennung für den
permanent guten Support vor/während/nach dem Spiel, kurzum: das Echo, das uns
entgegenschallte, war durchweg mehr als positiv. Daher war das Echo
auf „The Football Factory“ auch eher verhalten positiv – nur Johann fand den
Film offenbar voll daneben: „Taucht ja so gut wie kein Stadion drin auf,
Fußball überhaupt nicht!“, was ja so auch nicht stimmt, immerhin spielen die
„Jugendteams“ von Chelsea und Millwall gegen einander… ;o) Tja, und Ihr fahrt
jetzt noch nach Barcelona… Dann gilt es, die Chelsea-Tour zu toppen – und nicht
nur was die zu verteilenden Punkte angeht! (Der Küchenchef
empfiehlt: Oasis – Don’t Look Back in
Anger) |