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Okay,
verbringen wir also unseren diesjährigen Urlaub mal in Schweden. Wie im letzten
Jahr. Und im Jahr davor. Nee, klingt jetzt alles ein bisschen negativ, aber dem
ist beileibe nicht so. Im Gegenteil, Schweden ist ein herrliches Land: Seen,
Wälder, Ruhe, herrliche Luft, Mücken, kurz Natur pur. Gut,
Sprit ist natürlich schweineteuer, alles andere eigentlich auch. Aber trotzdem:
Echt das ideale Land, um mit der Familie dort seine Ferien zu verbringen. Und
als Fußballbesessener sowieso. Während sich unsere überbezahlten Profis
irgendwo auf der Welt im Urlaub aalen, läuft in Schweden gerade die hammerharte
Saison. Was wiederum etliche Premier-League-Teams von der Insel dazu verleitet,
ihr Trainingslager bei den Elchen zu verbringen, doch dazu später mehr. Wie
auch immer, ein ideales Land für Groundhopper und alle, die’s ma werden wollen. Doch
der Reihe nach, also… Dudelludellüdellüddelliedelliedelliet! Spulen wir das
Band mal zwei Jahre zurück. 2001.
Der Rest meiner Familie ist schwer begeistert, als ich zwischen komplett
verbrachten Tagen bei Pippi Långstrump und am Badesee und beim Shoppen und
Erholen und überhaupt Urlaub mal im Gespräch so beiläufig erwähne, dass im „nicht
weit“ entfernten Göteborg der dort beheimatete IFK bestimmt jetzt irgendwann
ein Heimspiel hat. „Naaa
unnnd??!“, klingt es unisono und ziemlich laut aus den Mündern von Birgit,
meiner Frau, und Désirée, unserer großen Tochter. „Da willst du doch wohl nicht
hin!??“ Während Sandie, unsere kleine Tochter gleich fragt: „Auja Pabba, kann ich
mit??“ Ein genauer Blick auf den Spielplan lässt erkennen, dass der IFK doch
kein Heimspiel hat. Hm. Aber
dann bleibt ja noch ÖIF, mein alter schwedischer Lieblingsverein aus längst
vergangenen Fußballbildersammelzeiten. Als ich noch Kutte trug, war deren
Aufnäher, den ich mir auf unserer Schulabschlussfahrt 1983 in Schweden
geschossen hatte, allen Betrachtern meiner Kutte stets ein Rätsel geblieben. Dahinter verbirgt sich Östers IF Växjö –
allein der Name ist schon geil! Nun spielen die 2001 allerdings nur noch in der
zweiten Liga, die dort „Superettan“ heißt, was sich etwa mit „die Super-Erste“
übersetzen lässt. Dem übergeordnet ist als höchste schwedische Spielklasse die
„Allsvenskan“, die – man ahnt es – „Allschwedische“. Växjö
(was etwa wie Wäckröe gesprochen wird) ist dafür aber auch weiter weg als
Göteborg, aber was soll’s. Lasst dem Ollen seinen blöden Fußball, vorher gibt
er ja doch keine Ruhe! Langer Rede, halbwegs kurzer Sinn: Familie in den Wagen
gepackt, das immerpräsente Werder-Trikot übergestreift und quer durch Småland
gedüst, die beiden großen Mädels vorm Shoppingcenter abgeliefert („Viel Spaß denn
auch!“) und mit der Lütten den Värendsvallen gemacht, einem
15.000-Leute-Ground, der mit sage und schreibe 1.661 zahlenden Zuschauern aber
nur zu gut einem Neuntel gefüllt ist.
Värendvallen Växjö, 15.062 Plätze, Heimstatt von Östers IF Växjö, viermaliger schwedischer Meister Gut,
immerhin geht es gegen Västerås SK FK, kein besonders überwältigender Kick
also, aber immerhin spielen die Gäste in grünweißen Hoops, was sie ja nun auch richtig
sympathisch macht.
Ergebnis
eher zweitrangig, ich glaube 0:2, aber dafür in der Souvenirbude noch schnell
zwei Trikots geholt und – zum Nulltarif - eine schöne alte
Vinyl-Sieben-Inch-Single mit einem Loblied auf ÖIF („Gör som solen – Gå upp i
Öster“) u. a. mit Peter Wibrån, auf dem Cover noch im megacoolen 1992-er
Outfit: Links gescheitelt und im bis obenhin zugeknöpften Holzfällerhemd (gut,
ich für mein Teil sah schon 92 glücklicherweise doch etwas anders aus!) – für
eingefleischte Hansa-Fans bestimmt die
Rarität, heuerte Wibrån doch später in Rostock an, heute ist er ja wieder bei
„Östers A-lagstrupp“ und besingt womöglich erneut Vinyl. Wer weiß?
Nette
Überraschung, als Sandie an der Wand der Souvenirbude zwischen den großen
Vereinen dieser Welt (Barcelona, ManU, Trelleborgs FF) einen bereits etwas
betagten Werder-Wimpel entdeckt. Doch der Versuch, dem noch betagteren… äh,
Verkäufer (sonst vermutlich Betreuer der lokalen B-Jugend… oder Platzwart… oder
ähnliches) dort klar zu machen, dass dies der Wimpel unseres Teams sei, scheitert kläglich an der Desorientierung der
von uns verwendeten Öös, Åås und Ääs in den Brocken, die wir als „perfekt
beherrschte schwedische Sprache“ zu bezeichnen die Stirn haben. Ziemlich
unbeliebt bei den rotblauen Öster-Supportern ist hingegen Kalmar FF, für
schwedische Verhältnisse mit gut 110 Kilometern Entfernung wohl so etwas wie
ein Lokalrivale. Bei der Durchsage von deren Gegentoren kommt jedenfalls
richtig Stimmung auf. Aha. Gör som solen Gå upp i Öster Röster, rösterna skallar Alla, gillar lirarnas lag. Also
die üblichen Stadionfotos gemacht und gut. Nett. Hätte
trotzdem nicht passieren dürfen, denn nu hatte ich Blut geleckt. Paar
Tage später Sightseeing und Shopping in Göteborg. Nicht so groß wie Bremen,
aber viel mehr los, viel hektischere Stadtautobahn und – was für uns in
Schweden ne völlig neue Erfahrung ist – überhaupt nicht so sauber wie der Rest
des uns bekannten Landes. Zumindest in den Randbezirken. Aber kurz nach dem
Liseberg-Vergnügungspark (so ne Art Heide-Park mitten inner Stadt) werden die
Flutlichtmasten des Ullevi-Stadions sichtbar. Ältere Vahraonen erinnern sich
sicher: 24. Juni 1958, 58.000 Zuschauer, heftiges Auswärtsspiel, WM, Sverige –
Västtyskland 3:1, die ersten Ultras der Welt mit Megas im Ground und immer
„Heja! Heja! Sve-ri-ge!“, und Juskowiak, ausgerechnet Juskowiak nietet Hamrin
um und fliegt vom Platz! Was WARN wir sauer an dem Tach! Gut, dass wir uns
damals noch keinen Videorecorder gekauft hatten… „Ich
geh mir das ma ankuckn!“ – „Wie!? Lässt du uns jetzt hier alleine oder was?!“ –
„Bin ja gleich wieder da!“
Hatte natürlich – nur um die Situation nicht
eskalieren zu lassen und lange nach Erklärungen für mein Tun suchen zu müssen –
nicht erwähnt, dass es sich hierbei um das „Nya Ullevi“ (also das neue
Ullevi-Stadion, in dem nur die großen Spiele statt finden) handelt und dass ich
danach natürlich auch noch das „Gamla Ullevi“ (eben das alte Ullevi-Stadion, in
dem die Göteborger Clubs IFK, Örgryte und GAIS üblicherweise ihre Heimspiele
austragen) auf dem Rückweg in die Altstadt unter die Lupe nehmen würde. Wieso
Egoist? Liegt doch gleich neben dem Nya Ullevi!
Gamla Ullevi, ca. 18.000 Plätze, Heimstatt von GAIS, sechsmaliger schwedischer Meister, IFK Göteborg, 17-maliger schwedischer Meister und UEFA-Cup-Sieger 1982 & '87 Örgryte IS, 14-maliger schwedischer Meister Nach dem touristischen Teil durch so ne Art Bronx
(Odinsgatan) zurück zur Autobahn. In diesem netten Viertel das Hauptquartier
des IFK-Fanclubs „Änglarna“ entdeckt (tja, was das wohl heißen mag?). Sieht auch
von außen schon ziemlich abgerissen aus. Aber zu. Auch rütteln bringt nix.
Schade. Hätte was gehabt. Aaaaber aufm Rückweg zu unserem Ferienhaus (in
ungefähr sechseinhalb Lichtjahren Entfernung) noch n Stopp in Borås eingelegt. Ihr ahnt es:
Ryavallen, ca. 19.400 Plätze, Heimstatt des IF Elfsborg Borås, viermaliger schwedischer Meister Ach
ja… gibt auchn wirklich netten Zoo da, in Borås. War
sowieso n geiler Urlaub. Aber auch wirklich für alle… KLICK!
(Stop! …Fortsetzung folgt!) |