УкраїнаItalia

oder Deutschland - Argentina

oder aber auch wie aus Désirée Thomas wurde und sie von der Polizei nach Hause gebracht wurde.

 

 

Mittwoch 28.06.2006 – Teamsitzung des Fan-Projekts Bremen e.V.

 

Neben den „üblichen“ Gesprächsthemen wurde auch über das Viertelfinalspiel in Hamburg am 30.06. geredet. Thomas H. trat von seiner ihm zu gesprochenen Karte zurück und Désirée bekam das Glück zu spüren, indem sie die Karte erhielt. *whaaaaaa* geil, noch ein WM-Spiel und dann auch noch ein Viertelfinale. Hammer. Es gab nur einen Haken: die Karte war auf den Namen „Thomas H.“ ausgestellt. Der Name ist ziemlich männlich, naja, und ich bin dann doch eher weiblich. Egal, man war schließlich in dem Besitz der Karte und holte sich dann eben schnell die Erlaubniserklärung zum Besitz der Kardde und die Einverständniserklärung für eine eventuelle Umschreibung und eine Kopie des Persos. So hieß es nun: Hamburch nimm dich in Acht – ich komme (…wenn alles mita Kardde geht…)!

 

Freitag 30.06. – Schlaaaaand spielt und wir in Hamburch

 

Die Tage vergingen wie im Flug. Und so stand auf einmal schon der Freitag in der Tür. Der Freitag an dem Deutschland kollektiv schwarz-rot-gold trug. Schon morgens wurde man mit „…und 1 und 2 und 3 und ’54, ’74, ’90, 2006…“ geweckt, woraufhin der gut gelaunte Radiomoderator vor Stolz fast zerbarst als er über „unser“ Team, „unseren“ Klose und „unseren“ Podolski sprach. Nicht nur er war sich sicher - ganz Deutschland schien an den Einzug ins Halbfinale zu glauben - und die Sonne lachte munter dabei.

 

Um 11:33 h fuhr mein schöner Dorfbus mich auf die andere Weserseite, in Richtung Stadion. Auf dem Weg zählte ich exakt 120 deutsche Fahnen an Autos (in den Autos saßen vorwiegend Frauen) und 3 ausländische, von denen eine italienische (deren Spiel man ja am Abend in HH verfolgen wollte) und zwei schwedische (die dazu gehörigen Kicker wurden ja aber schon von Deutschland im Achtelfinale rausgeschmissen). Gegen 11:55 h war ich dann am Fanprojekt und wartete mit Susanne auf Carsten und Jens S., welche dann auch bald eintrudelten. In Jens’ Auto machte man sich auf den Weg Richtung Hamburg. Zwischendurch einmal für die Weiber eine Pipi-Pause gemacht. Woraufhin Frau einen 0,50 € Gutschein einlösen musste. Klasse, in der Tankstelle gab es nur Sachen über 50 Cent, sodass ich einen Lollie (der im Übrigen scheiße schmeckte) kaufte, für den ich noch 5 Cent drauf zahlen musste.

 

Aber das soll nun nich ein Bericht über einen Lollie werden, sodass wir nun weiter im Text machen.

 

Lustig fuhren wir weidder in Richtung WM-Stadion Hamburg und schafften es diesmal sogar den „blauen Bereich“ zu erwischen und sind dann auch auf den „blauen Parkplatz“ gefahren um dort zu parken. Für den bewachten Parkplatz blätterte man 6 €uros hin und traf dann dort auch directly auf Jens H., der von zwei Polen begleitet wurde. Der Ältere von denen sprach nur polnisch, der Jüngere konnte aber mit der englischen Sprache glänzen.

Und so ging man – also quasi ein kleiner Multikulti-Haufen – zur S-Bahn, Linie 3. Der Weg vom Stadion zur S-Bahn ist gaaaaanz schrecklich – einfach viel zu lang. Da lob ich mir unser Weserstadion, bei welchem man, egal von woher man kommt immer an irgendwelchen Kneipen und Häusern aus denen Werder-Lieder dröhnen, vorbei geht. In Hamburg ist nix – nada – niente – null… Nach dem doch recht langen Weg wartete man noch 5min auf die gewünschte S-Bahn, wo einem schon beim Einstieg von einer überflüssigen „Jugendgruppe“ ein ebenso überflüssiges „Sieg – Heil“ (der im Fanjargon oft benutzte Ruf „Sieg“ wurde von einem mit einem „Heil“ hinterlegt) um unsere bemitleidenswerten Ohren dröhnte. Das ignorierte man und setzte sich auf die wenigen freien Plätze.

 

Gegenüber von einigen von uns saß ein doch recht merkwürdiger Mann, der locker bei der Band welche „YMCA“ singt, auch verkleidet hätte mitmachen können. Er hätte einen Coweboy oder auch einen Polizisten spielen können. Nachdem er uns einige spannende Dinge aus seinem Leben erzählte und sich seine Zigarette drehte (O-Ton „Is ja billiger“, Antwort Jens S. „Ohne is noch viel billiger“) stieg der Jute dann doch aus. Und wir taten es ihm an der Station „Reeperbahn“ gleich. Dort dann ers ma Richtung „Heiligengeistfeld“ gelaufen. Man zog in Betracht dort „Public Viewing“ zu machen, doch der Platz war gegen 15:00 h schon so voll, dass er für weiteres Publikum geschlossen wurde. Die Leudde, die dort einen Platz bekommen hatten,  taten mir leid – Staubboden und das bei der Hitze. Wir sind dann einmal kurz in die Fanbotschaft, wo ich allerlei Flyer, Hefte und Postkarten einsackte und wo wir uns von dortigen „Arbeitenden“ – vom Hamburger Projekt – noch was zu trinken ausgeben haben lassen (Original Klinsisprech, Anm. d. Red.).

 

Dann sind wir getrennt von einander wieder in Richtung „Reeperbahn“, wo wir auf dem Weg gegenüber dem legendären Cafés „Keese“  - auf dem Spielbudenplatz - eine kleine Leinwand mit allerlei Buden drum fanden. Auch dieser Platz war schon sehr voll mit Menschen in den deutschen Nationalfarben. Eine Frau hatte sich auf ein normales Käppi ein gebasteltes Fußballfeld geklebt – Deutschland lebt Fußball, egal ob Kind oder Erwachsene, dick oder dünn, egal welche Nationalität oder Glaubensrichtung man hat, alle waren für Deutschland und auch oft so gekleidet. Ausnahme bildeten ca. 10 Argentinier.

 

Nach einem kurzen Check-In am Würstchenstand stellte man nach einigen Überlegungen fest, dass der Platz, auf dem wir standen, zum Fußball gucken total bescheuert ist, weil man nach ca. 20min eine Genickstarre zu befürchten hatte, da die Leinwand ziemlich hoch auf einem mehrstöckigen Haus stand. Also, schnell einen anderen Platz zum Fußball gucken suchen, wo sich zahlreiche Kneipen in der näheren Umgebung anboten.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Café nicht unweit der „kleinen“ Fanmeile entschieden wir uns in der Diskothek „Docks Club“ das Spiel der Deutschen Elf zu verfolgen. Nachdem wir die Türsteher, welche auch gut den Spruch bringen hätten können „Ey, Alldah, du kommscht hier net rein!“ passiert hatten, stand der Fußballfreude nichts mehr im Wege. Fehlte nur noch ein Sieg der Deutschen um die Euphorie im Lande aufrecht zu erhalten! Das Docks selbst war schon relativ voll, aber wir fanden noch Platz und nachdem der nette Herr Techniker ein wenig an dem Beamer gearbeitet hatte, hatten wir ein super Bild. Let the match begin. Doch bevor es losgehen sollte, gingen mir einige der dort anwesenden Personen schon gepflegt auf den Keks. Da wären zu nennen: Zwei Chicas die immer kreischend auf und abflanierten um irgendwie männliche Aufmerksamkeit zu erlangen (was leider auch geklappt hat), drei Prollos von denen der eine immer „Du hast deine Haare schön“ gesungen hat (und das durchgängig - die Drogen, die der genommen hatte gehören verboten – sind sie aber wohl so oder so…) und dann war da noch eine Clique von ca. 5 jungen Männer die kaum mehr Wörter in ihrem Vokabular hatten als „Schwuchtel“ (ja, sie nannten sich auch gegenseitig so). Der Obermagger von denen hieß Falk und fand es dann auch sehr lustig die anderen mit Eiswürfeln zu bewerfen oder anzuspringen. Ja, ansonsten war da noch eine andere Dreier-Crew, die ziemlich nervig war: Von den drei Türken waren zwei für Deutschland und einer für Argentinien. Sehr gefallen haben mir deren Nebelhörner und die ausziehenden Blicke, welche an fast jede weibliche Person gerichtet wurde. Oh mein Gott, wo waren wir hier nur gelandet??

 

Aber über diese Frage wollte ich gar nicht weiter nachdenken, denn schon liefen die Mannschaften ein und die Nationalhymnen wurden gesungen (!). Als die deutsche lief, umarmten sich die Menschen in der Disco und sangen inbrünstig mit, auch von draußen konnte man Gesänge erhören. Und dann… dann…dann ging looooooooos.

 

Freudig wurden Gesänge angestimmt, unter anderem auch immer wieder „Du hast die Haare schön“ von dem bei und in der Nähe stehenden Typ.

 

Das Spiel an sich war ein Taktisches Gemetzel aber sehr ansehnlich.  Doch man ging  mit einem 0:0 in die Halbzeit und man hatte die Befürchtung, dass es in der nächsten Zeit nicht besser werden würde und man in die Verlängerung gehen müsste. Doch es kommt ja – wie ein Sprichwort sagt – immer anders als man denkt und so schoss Ayala in der 49. Minute das 0:1. Fuck! Alle waren erst einmal getroffen und mussten den Schock verarbeiten, doch die deutsche Mannschaft kämpfte und rackerte sich ab. Und dann – man hatte kaum mehr damit gerechnet – köpfte Miroslav Klose, „unser“ Bremer Jung, nach Vorarbeit „unseres“ anderen Bremer Jungen, Boro,  das 1:1. Jaaaaaaaaaahaaaaaaaaa!!! Überall ging die Luzie ab und – Jedem und Jeder war klar: Das Ding wird gewonnen!

 

Doch es ging in die Verlängerung. Man merkte, dass die Argentiniern konditionell immer mehr am Ende waren, da sie sich immer mehr im eigenen 16er versteckten. Klinsmann wechselte Odonkor ein und somit entstand noch einmal sehr viel Druck auf das argentinische Tor. Es half nichts. Man musste ins Elfmeterschießen gehen.

 

Neuville versank den ersten. Deutschland führte. Aber auch Cruz traf. Die Spannung war kaum mehr auszuhalten. Ballack war der nächste. Viele drehten sich weg – und Ballack?? Er traf!!!!!! Dann trat Ayala (der Schütze des 0:1 an) und Lehmann hielt. Jaaaaaa! Boah, nun der „Doppelpass-alleine?-Vergiss-es!“-Podolski… und… Toooooor! Auch Rodriguez versank seinen Elfer, aber Deutschland führte immer noch. Nun Borowski, der Bremer, der doch schon ein paar Elfer verschossen hatte… er lief an und trifft: TOOOOOOOOOOOR! Wenn nun Cambiasso verschießt sind wir im Halbfinale – die Luft war geladen. Cambiasso läuft an und Lehmann hält: JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!! Ein Aufschrei ging durch die Luft: „Berlin, Berlin – WIR fahren nach Berlin“.

 

Doch zum Feiern blieb uns keine Zeit: es war schon 19:50 h und um 21:00 h ging das Viertelfinalspiel Ukraine – Italien los. Also schnell aus dem Docks raus und Richtung Reeperbahn S-Bahn-Station, doch da kam man nicht weit. Denn direkt auf der Reeperbahn war ebenfalls noch ein Public-Viewing-Platz, welcher von einer Polizei-Kette abgesperrt wurde. „Jaaaaaaaaaaa“ – überall feiernde Leute um uns rum. Sie sangen und sprangen und wir liefen schnell zum Hafen (wir durften ja auf Grunde der Absperrung nicht zur Station Reeperbahn) um von dort aus nach Stellingen zu fahren. Auf dem Weg zu der Station überall lachende Menschen und lauter Wagen, die begannen sich zu Autokorsi zusammen zu schließen. Auffällig war, dass viele Südländer mit Deutschlandfahnen aus Schiebedächern wedelten – Integrationsfeeling at its best!

 

Wir schnell in die Station rein und auf die Bahn gewartet. Nach einigen Minuten kam dann auch eine S1 und wir stiegen in die doch recht vollen Wagen ein. Nach einer Station wurden Sitzplätze frei. Carsten, Jens S. und Susanne setzten sich auf einen Vierer auf dem noch drei  Plätze frei waren. Am Vierer daneben war ein Platz frei, auf den ich mich setzte und ich – die ich ja aus rein patriotischer Sicht und aus Stolz auf den eigenen Verein einen Werder-Schal umhatte – hatte doch tatsächlich das unfassbare Glück, mir diesen Platz mit drei ca. 25 Jahre alten Stellingern zu teilen, der eine in Begleitung seiner Freundin. Suuuuper!!! Den ganzen Tag keinen von denen getroffen und dann?? Dann gleich 3…

 

Nach zwei Minuten hatten sie dann auch meinen Werder-Schal gesichtet und machten sich erst mal ordentlich darüber lustig „Eeeeyy Chica. Wasn das da??“ -„Sieht aus wien Schal mein Lieber, oder?!“ –

Jaja. Aber ders grüüüüün…“ –

Wow, das wusst ich noch gar nicht!“-

„Werder stinkt nach Fisch!“  Und weiter: „Wieso trägst du Werder, heudde hat Deutschland gespielt und außerdem Werder – das geht ja gar nich.“ –

„Ich trag immer Werder! Außerdem gerade in Hamburg muss man zu seinem Verein stehen!“ –

„Aha. Das is aber ein Deutschlandspiel…“

 

Nachdem mir dann jeder einzelne von denen die Hand geschüttelt hatte und auch noch sich persönlich vorgestellt hatte mischte sich die Freundin des einen ein: „Ich versteh gar nicht was ihr gegen Werder habt! Die Spieler sehen gut aus – und es ist doch auch ein Nordklub…“ Tja, auf diese Äußerung fiel mir erst einmal nichts ein und den Jungs auch nicht, weshalb sie begannen die deutsche Nationalhymne zu singen.

 

Diese geht ja bekanntlich so:

 

Einigkeit und Recht und Freiheit für
das deutsche Vaterland,
danach lasst uns alle streben

brüderlich mit Herz und Hand.
Einigkeit und Recht und Freiheit

sind des Glückes Unterpfand.
Blüh' im Glanze dieses Glückes,

blühe deutsches Vaterland!

 

Doch davon schien zumindest einer der drei Herren nichts zu wissen der munter sang „…Einigkeit und Recht und Freiheit das ist unser Vaterland…“

Aaahhh jaaa… auch eine sehr schöne Variante, aber - „möööp!“ -  falsch. Als ich sagte, dass dies falsch sei und einer der Mitsänger mir zustimmte, war der Falschsänger ziemlich wütend auf seinen Kumpel, weil er ihm ja in den Rücken gefallen sei – und das alles vor einer Bremerin! Haha!

 

Um von dieser doch recht peinlichen Situation abzulenken stellte sich der dritte Herr im Bunde zum gefühlten 10. Mal vor: „Hallo, ich bin Helge. Du bist echt cool und niedlich. Du verhältst escht gut.“ Buaaarrrg! Jaaa, so genug mit den Schleimereien, war auch eh schon die gewünschte Haltestelle – der Name ist mir leider entfallen – also raus und mit den Projektlern auf Carstens Freundin gewartet, die in der nächsten S-Bahn saß.

 

Zu fünft machte man sich dann auf den Weg raus aus der Station und rein in den „WM-Bus“, der einen direkt zum Stadion brachte. Im Bus waren sehr viele Menschen unter anderem ein paar sehr gut gelaunte Isländer, die freudig ihr Deutsch erprobten und ansonsten fröhlich sangen:

They’re blue.

They’re white,

They’re going home tonight –

Aaaaaargeeentiiinaaaa Aaaaaaargeeentiiinaaaa“.

 

Von der Haltestelle, wir hatten noch eine halbe Stunde bis zum Spielbeginn, schnell zum Stadion gelaufen (wobei schnell relativ ist bei den Wegen in HH). Doch dann endlich am blauen Sektor angekommen und dann dort in Frauen und Männern aufgeteilt an der ersten Kontrolle angestellt. Carstens Begleiterin und ich waren ziemlich nervös, denn wir hatten Karten, die auf einem Männernamen ausgestellt waren. Oh Gott… ob’s klappt?? Genau in einem Moment, an dem ich – obwohl ja alle Schreiben dabei waren – ziemlich nervös war, sind auf einmal wieder die Hamburger aus der S-Bahn an uns vorbei gegangen, welche laut „oh .. die Bremerin – Haaaaaalllloooo!“ brüllten.

 

Nach einem kurzen Augenverdrehen fiel uns auf, dass die Frau in deren Schlange wir standen sehr genau auf die Karten und somit auch auf die Namen schaute. Scheiße! Schnell in die andere Reihe gestellt und gebangt. Die erste von uns war dran und es klappte!! Zwar musste sie noch etwas als Waffe Geltendes (ein Gel) abgeben, aber sie war drinne. Dann kam ich an die Reihe (meine Karte in dem Kartenhalterdingens unterm Polo-Shirt versteckt) wurde ich nur abgetastet. Die Karte wurde nicht verlangt. JA! Ich konnte mein Glück gar nicht fassen – ich war drinne!!!

 

Die vorher als megaheftig angekündigten Sicherheitskontrollen waren einfach zu umgehen (Zitat Carsten „Und unter anderem auf Grund dieser tollen Sicherheitskontrollen sind die Karten so teuer… na toll! *lach*) Ups, schon 20:45 h. Schnell zur zweiten Kontrolle, bei welcher die Karte nur an ein Lesegerät gehalten wurde und wir waren alle reingekommenJezz geht los!

 

Viele Zuschauer kamen wie wir auf den letzten Drücker und fast alle hatten Deutschland-Klamotten an. Um Punkt 21:00 h nahmen wir auf unseren Plätzen Platz und die waren… nunja… scheiße. Man saß direkt an der Treppe, zweite Reihe von unten (d. h., dass unter den zwei Treppen ein Weg war um zu den Treppen zu gelangen), weshalb alle möglichen Menschen (besonders die Cola- und Brezel-Männer) ständig an uns vorbei gingen. Und dann war genau auf Augenhöhe auch noch eine Stange, die die Blöcke trennte. Wenn ich in diesem Stadion eine Dauerkarte für den Schachmeister (haha, ich mein natürlich diesen komischen „Verein“, der Fußball zu spielen versucht) hätte, würd ich den Verein fragen, ob man nich irgendwas am Preis bezüglich dieser durchaus sehr beschissenen Plätze ändern könnte… SCHRECKLICH! Ich habe noch nie so wenig von einem Fußballspiel mitbekommen wie diesmal.

 

Neben dem einen Tor (dem uns gegenüber liegenden) hing eine Werder-Fahne *hihi*. Flagge zeigen – Richtig so!

 

Vor uns saßen zwei Engländer aus Newcastle. Die waren so lustig! Der Hammer! Hinter uns saßen Paulianer die auch am Anfang noch fröhlich ihre Fahne schwenkten, doch dann kam ein Stellinger – NEIN, einer von denen aus der S-Bahn. Werde ich die denn nie los?? – und wurde ziemlich böse, woraufhin die Paulianer aufhörten ihre Fahne zu schwenken aber anfingen zu lästern.

 

Ansonsten saßen in unserem Block seeehr viele Stellinger. Juhu… Schon in der 6. Minute schoss Zambrotta das 1:0 und die Azzuros freuten sich. Generell waren wenig Ukrainer und Italiener im FIFA-WM-Stadion Hamburg am Start, sodass die Deutschen noch ordentlich ihren Sieg feiern konnten und oft „Steht auf wenn ihr Deutsche seid“ angestimmt wurde.

 

Ab und an drang auch ein leises „Forza Ragazzi“ (klingt wie legga Essöööön! Heißt aber „Vorwärts Jungz!“) durch die Reihen, wurde aber nie wirklich laut. Ich persönlich fand nicht wirklich ins Spiel, weil man vorher so aus dem Jubel herausgerissen wurde und ich auch einfach viel zu sehr abgelenkt wurde… von den Engländern. Diese versuchten Deutsch zu sprechen. Schauten jeder Frau auf die weiblichen Zonen des Körpers und nannten alle deutschen Männer „Albert“. Sie sangen mit Vorliebe „Luuukaaasss Potolzki“ und hielten Susanne für meine Mutter, welches wir aber versuchten aufzuklären, allerdings glücklos. Sie gaben mir mit auf den Weg, dass ich später einmal, weil ich ja so „cute“ sei, einen reichen gutaussehenden Mann heiraten werde, welcher mich dann auf die Titelseiten dieser Welt bringen würde. Und ich solle meiner Mutter keine Sorgen machen. Die beiden waren zu herrlich! Viel Spaß hatten sie auch beim Singen von Liedern á la „Ohne Cholland faaahn wia nach Böörlin“. Schade, dass England einen Tag später ausscheiden sollte.

 

In der Halbzeit bekamen wir Besuch von einem aus der Bremer Szene (Name mir und den anderen bekannt™), welchem von den Engländern die Hose runter gezogen wurde. Der Bremer reagierte aber sehr lässig und schüttelte denen erst einmal die Hand.

 

Nach der Halbzeit schoss Luca Toni in der 59. und in der 69. Minute zwei weitere Tore. Die mitgereisten „Azurris“ feierten und auch viele Deutsche freuten sich mit ihnen. Ziemlich abgetörnt haben mich die Stellinger die ihre Lieder anstimmten: „Wer wird Deutscher Meister? Hahahahaundichweigeremichdenrestzutippen!“ oder aber auch „Wer nicht hüpft der ist ein dummer Bremer“ Man muss ja wohl nicht extra erwähnen, dass wir aufs Hüpfen verzichteten ;-). Die Paulis stimmten im Gegenzug Lieder wie „Hamburg ist braun-weiß“ an.

 

Und so ging dieses Spiel dann auch mit einem 0:3 für Italien aus. Der Gegner der Deutschen im Halbfinale sind also unsere Freunde aus einem der liebsten Urlaubsländer der Deutschen: die Italiener.

Nach dem Spiel sind wir schnell aus der Kurve raus und bekamen doch tatsächlich Beckenbauers Hubschrauber zu sehen.

 

Dann schnell zum Auto, dort verabschiedeten wir uns von Jens  H. und den Polen und fuhren gen Heimat. Gerade als wir die Ausfahrt „Bremen – Arsten“ nehmen wollten, streikte das Auto und fuhr nicht mehr. Wir standen mitten auf der Ausfahrt. Den ADAC erreichten wir nicht, woraufhin wir die Zolipei anfunkten, welche uns riet schnellstmöglich aus dem Wagen auszusteigen und uns hinter die Leitplanke zu stellen und dort zu warten bis die Polizei kam – gut, folgten wir deren Anweisungen. Als die Zolipei kam schoben (Wickie und) die starken Männer das Auto in eine Bucht ca. 800 Meter von unserem Standort entfernt, weg. Dort fragten die Polizisten, ob sie noch wen nach Hause bringen sollten, denn bis der ADAC kommt, könne es noch dauern. Einstimmig beschlossen die anderen, dass die Polizei mich nach Hause bringen sollte. Ich war überstimmt und stieg ein. Der recht muffelige Polizist und seine Kollegin fuhren mich dann nach Hause und ich hatte meine Premiere im „von-der-Polizei-nach-Hause-gebracht-werden“. „Na das nenn ich ja ma standesgemäß“, knurrte der Olle zu Hause…

 

Alles in allem war die Tour nach Hamburg richtig geil! Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich bin Thomas wirklich dankbar für die Karte. Ein wenig blöd war es allerdings, dass man aus den Feierlichkeiten in Pauli so rausgerissen wurde und direkt (auf Grund der mangelnden Zeit) nach Stellingen musste. Trotzdem habe ich den Tag genossen: Es war super! Ich durfte ein Viertelfinalspiel sehen – eine Ehre! Und eine Premier gabs dazu: eine Fahrt im Polizei Auto (Lalülala!, d. Red.).

 

Ein wenig enttäuscht war ich, dass es so wenige Fans der Mannschaften ins Stadion schafften, denn es waren meiner Meinung nach mindestens ein Drittel Deutsche im Stadion.

 

Italien hat sich sportlich nicht von der besten Seite gezeigt. Deutschland kann die schlagen!

Auf geht’s, Schlaaaaand! 




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