Vahraonen Bremen


"mag - swb Magazin - Fan des Jahres"


Fan des Jahres: lebenslang grün-weiß

 

1899 kickte erstmals ein Team des SV Werder Bremen um den Sieg. Zu diesem Zeitpunkt war Thomas Breitkopf noch nicht einmal geplant. Er kam erst 1964 zur Welt. Doch schon bald danach erblickte der Steppke aus der Vahr das Flutlicht des Weserstadions, und sofort war klar: Ein Werder-Fan war geboren.

 

Seit 33 Jahren besucht der 42-jährige die Fußballspiele im Weserstadion. Man findet ihn in der Ostkurve, im Block 65, Reihe 1, Platz 1, inmitten einer für das Leben verschworenen Gemeinschaft: die Vahra­onen. Die Mitglieder des vor 22 Jahren ge­gründeten Fanclubs, erkennbar am gemein­samen Schriftzug auf Mützen und T-Shirts, eint neben ihrer leidenschaftlichen Liebe zum SV Werder vor allem ihre Herkunft. Sie alle sind in der Vahr geboren, ein zur Grün­dungszeit der Vahraonen wegen seiner sozi­ alen Probleme eher berüchtigter Stadtteil. Doch stärker als in anderen Bremer Vierteln wirkte der Fußball hier wie ein Katalysator und bot den Jugendlichen eine Welt mit Sonntag - der bei Fußballfans nun mal auf samstags fällt.

 

Über 700 Werder-Spiele live

Mit den Fans ging der Stern von Werder auf. Damals noch vom Abstieg bedroht und be­troffen, ist die Mannschaft heute für den at­traktivsten Fußball der gesamten Liga be­kannt. Weltweit zollen Medien und Aktive dem Team höchsten Respekt. Die Anzahl der Werder-Fanclubs ist auf über 300 gestiegen und das Stadion ist fast immer ausgebucht. Der Run auf den "Last-Minute-Wahnsinn" lässt Eintrittspreise ins Astronomische schießen. Dauerkarten für die Ostkurve wer­den nicht verkauft, sie werden vererbt.

 

Thomas Breitkopf, alias "Breidy", war Teil dieser Entwicklung. Er hat sie und sie ihn, sein gesamtes Leben, geprägt. Mehr als 700 Spiele der Grün-Weißen hat er live miterlebt und lässt sich möglichst keins entgehen. Das schönste? Der Sieg im Meisterschaftsfinale vor zwei Jahren, als Werder in München die Bayern "putzte". Das schlechteste? "Gibt es nicht!"

 

Für Auswärtsspiele reicht leider die Zeit nicht immer. Thomas Breitkopf arbeitet als Monteur bei swb Netze. Das beinhaltet Be­reitschafts- sowie regelmäßige Spät- und Wochenenddienste. Und dann ist da noch die Familie, genauer: eine sehr verständnis­volle Frau und der achtjährige Sohn. Natür­lich spielt der Fußball, und natürlich trai­niert Papa die Mannschaft.

 

Trotz dieser Verpflichtungen hält sich Breidy seit einem Jahr täglich im Stadion auf. Rund um die Uhr. Lebensgroß steht sein Abbild im "Wuseum", zwischen Trikots, Pokalen und Stollenschuhen, neben einem Megafon, mit dem die Ostkurven-Fans einst Sprechchöre und Kurvenchoreografie koordinierten. Was aber hat den 42-jährigen zum Exponat ge­macht?

 

 

Ausgezeichnet für Fairness und Engagement. Thomas Breitkopf, Werder Fan des Jahres, zweimal lebensgroß im „Wuseum“.    FOTOS, MARCUS MEYER

 

Grün-weißes Vorbild

"Ich kann mir keinen besseren Fan vorstel­len", hatte Werder-Geschäftsführer Klaus­Dieter Fischer am 17. März 2006 gegenüber den versammelten Medien erklärt und Brei­dy zum "Fan des Jahres" ernannt. Seither steht dessen Abbild, eben auch als Vorbild, im grün-weißen Museum. Breidy freut sich über die Auszeichnung, die alljährlich vom Werder-Präsidium, dem Fan-Beauftragten und dem Fan-Projekt vergeben wird. "Dazu gehört mehr, als sich grün-weiß zu maskie­ren oder eine Dauerkarte zu besitzen", er­klärt er. Vielmehr erhielt er die Auszeich­nung für sein soziales Engagement und seine Verdienste bei der Vermittlung zwi­schen Fans, Mannschaft und Verein. So hatte er großen Anteil am Aufbau des bundesweit ersten Fan-Projektes, das 1981 in Bremen ent­stand. Auch bei der Gründung des Dachver­bandes Bremer Fanclubs im Jahr 1991 wirkte er entscheidend mit. Damals war das Zusam­menleben der "Kutten-Fanclubs" im Ober­rang der Ostkurve und der "erlebnisorien­tierten" Hooligans vom Unterrang nicht immer einfach. Das aber war nur eines von vielen Problemen. Konflikte zu entschärfen galt es auch beim Stadionumbau, bei dem Stehplätze ab- und Sitzplätze ausgebaut wer­den sollten. Diese aber waren für viele Ju­gendliche zu teuer. Wieder vermittelte Breidy.

 

Das Thema Eintrittskarten beschäftigt ihn bis heute. Es wird, mahnt der Vahraone, selbst für langjährige Fans, die für den Ver­ein durch dick und dünn gehen, immer schwieriger, Karten zu bekommen. Früher ging da immer noch was, da war eben doch alles persönlicher, jeder kannte jeden.

 

"Aber Werder ist ein topgeführter Verein, der den Fan nicht vergisst!", beeilt er sich, mög­lichen Missverständnissen vorzubeugen. Sonst hätte er seine selbst genähte Kutte nicht dem Wuseum überlassen. Geliehen, wohlgemerkt. Die Kutte würde Breidy nie­mals freiwillig hergeben. Ebenso wenig wie seinen Vahraonen-Schal. Denn ein Vahraone

, ist man immer: auf dem Platz wie im Priva­ten. Ein Vahraone, erklärt Breidy, ist eben, im Unterschied zu vielen grün-weiß getarnten Stadionbesuchern, ein richtiger Fan. "Und das bin ich nicht nur, wenn es gut läuft. Ein Fan bin ich ein Leben lang." /dah *

 

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11 März 2007

 

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